München – An die Sportfreunde Lotte, morgen erster Drittliga-Gast in Giesing, haben die Löwen nicht die allerbesten Erinnerungen. Die 14 000-Seelen-Gemeinde im Tecklenburger Land war am 8. Februar 2017 Schauplatz einer blauen Pokal-Schmach: Drittrunden-Aus beim damaligen Drittliga-Neuling. Der Platz: kaum bespielbar nach einem Wintereinbruch. Die Löwen, damals noch Zweitligist, mit schwerem Stand. 0:2 ging’s aus. Ribamar flog vom Platz, Starcoach Vitor Pereira war bedient – und auf der Tribüne litt ein Sportfreund mit: Phillipp Steinhart jetzt Linksverteidiger beim TSV 1860. „Ich war leider verletzt“, bedauert er noch heute, den Lotte-Coup nur als Zuschauer miterlebt zu haben.
Lotte – Pereiras Pokal-Waterloo
Diesmal ist Steinhart, 26, fit, hat einen Stammplatz beim Gegner von damals – und kann seinen 1860-Kollegen was erzählen über einen sympathischen Dorfclub, der ihm sogar im Vergleich mit der SpVgg Unterhaching winzig erscheint. „Schon noch ein Stückchen kleiner als Haching“ stuft er die Sportfreunde ein: „Es ist ein sehr kleiner, sehr familiärer Verein“, berichtet Steinhart, dem vor allem das „Herzblut“ erinnerlich ist, das alle für ihre Sportfreunde einbringen. Allen voran: Manfred Wilke, ein Machertyp, vergleichbar mit Hachings Manni Schwabl.
„Fußball-Obmann heißt das in Lotte“, klärt Steinhart auf: „Der ist, glaub ich, schon seit 50 Jahren im Verein und packt überall mit an.“ Dem Magazin 11Freunde vertraute Wilke, 65, an, dass er mit Vorliebe selbst den Rasen der kleinen Lotte-Kampfbahn mäht. „Macht doch Spaß“, sagt er: „Man hat eine Dreiviertelstunde Zeit und kann sich in dieser ganz viel überlegen.“ Oder in Erinnerungen schwelgen: an fünf Aufstiege bis zur 2. Liga – oder an die märchenhafte Pokalsaison, die 2017 erst im Viertelfinale gegen Dortmund endete.
„Die sind heiß wie Nachbars Fifi“, wusste schon Ex-1860-Coach Torsten Fröhling zu berichten (der als Wehen-Coach nach einer 0:3-Pleite gegen Lotte gehen musste). Steinhart drückte es so aus: „Uns hat damals schon ausgezeichnet, dass wir stark über mannschaftliche Geschlossenheit gekommen sind.“ Soll jetzt immer noch so sein, hat er sich sagen lassen. „Es sind ja nicht mehr viele Leute da, die ich kenne: Fünf Spieler und die Physiotherapeutin.“ Aber, hat ihm eine seiner Quellen geflüstert – und hat er auch am Montag bei Lottes 0:0 gegen Meppen beobachten können: „Die stehen geduldig hinten und warten auf ihre Umschaltmomente.“
Für ihn selber war der Umschaltmoment – weg aus Lotte, zurück nach München – genau der richtige, findet Steinhart. Sportlich, sagt er, habe er sich in Lotte pudelwohl gefühlt. Privat nicht ganz so: „Ich war ja allein oben, ohne Frau und Familie – das hat schon gefehlt.“ Jetzt, in der alten Heimat, passt beides. Geblieben ist sein Respekt vor den Sportfreunden. Es imponiert ihm, wie vor den Toren von Osnabrück aus bescheidenen Mitteln viel gemacht wird: „Ich drücke auf alle Fälle die Daumen, dass sie ihr Ziel erreichen.“
Nur morgen nicht. 1860 brauche jeden Punkt selbst, sagt Steinhart: „Die Liga ist extrem, es gibt vier Abstiegsplätze – und man sieht jedes Jahr, dass es hinten raus richtig eng werden kann.“ Erfahrung aus seinem Lotte-Jahr.