Gut strukturiert ins Gedränge

von Redaktion

Leon Goretzka stört der Konkurrenzkampf im Mittelfeld des FC Bayern nicht: „Ich bin flexibel“

Von Elisabeth Schlammerl

München – Rotes Polo-Shirt aus der vereinseigenen Kollektion versehen mit den vereinseigenen Sponsoren – das Outfit von Leon Goretzka hat schon mal gepasst. Das ist bei Neuzugängen des FC Bayern nicht selbstverständlich. Mario Götze hatte sich einst im einem Shirt mit dem Namenszug seines persönlichen Ausrüsters, der dummerweise nicht der der Münchner ist, präsentiert. Und zuletzt sorgte Serge Gnabry für Aufsehen, als er mit einem rot-weiß gestreiften Designer-Polo mit Schlangen-Applikation auf dem Kragen auftauchte.

Beim FC Bayern ist man mittlerweile zwar sensibilisiert und achtet auf die Kleidung vor einer Präsentation. Aber bei Goretzka war das gar nicht nötig. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler macht nicht den Eindruck, sich von Sponsoren instrumentalisieren zu lassen oder um jeden Preis auffallen zu müssen, außerhalb des Platzes.

Goretzka wirkte sehr überlegt und strukturiert, als er gestern nach seinen ersten Trainingseinheiten unter dem neuen Bayern-Coach Niko Kovac sein Debüt bei den Münchner Medien gab. Das Wichtigste, weiß er, sei es, „erst einmal auf dem Platz voranzugehen“.

Er hat sich die Entscheidung für einen Wechsel vom FC Schalke 04 zum besten deutschen Club nicht leicht gemacht, vor allem weil im Winter noch mindestens ein Verein um ihn warb, der vielleicht sogar noch ein bisschen besser ist und einen noch klangvolleren Namen hat als die Bayern, der FC Barcelona. „Es stimmt, ich hatte zu diesem Zeitpunkt mehrere Optionen.“ Deshalb habe er länger gegrübelt, aber der Weg über seinen Heimatverein Bochum und Schalke „war ein Stück weit vorgezeichnet“, gibt er zu. Vorgezeichnet vielleicht, aber zu Ende ist er noch nicht, „denn das würde Stagnation bedeuten“. Und mit 23 ist Goretzka noch am Anfang seiner Karriere.

Dass beim FC Bayern ein dichtes Gedränge im Mittelfeld herrscht, spielte keine große Rolle bei seinen Überlegungen. Die Position des klassischen Achters – „es ist ja bekannt, dass ich mich da am liebsten sehe, aber ich bin flexibel“ – ist eigentlich besetzt von Thiago oder Arturo Vidal. Beide dürfen aber bei einer entsprechenden Ablösesumme wohl gehen. „Wir haben kundgetan, dass wir ein, zwei Mittelfeldspieler zu viel im Kader haben. Wir möchten idealerweise dort noch etwas abgeben, damit der Trainer dort nicht in irgendeinen politischen Stress kommt“, hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge am Ende der USA-Reise vor ein paar Tagen gesagt.

Vidal schien bereits mit Inter Mailand einig, soll jetzt jedoch kurz vor einem Wechsel zum FC Barcelona stehen, wie spanische Medien berichten. Zu seinem Ex-Club zieht es angeblich auch Thiago. Anders als Rummenigge hat Hasan Salihamidzic aber kein Problem, wenn sich im Mittelfeld nichts mehr tut: „Wir haben ein sehr, sehr gutes Mittelfeld, aber Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt der Sportchef. Aufgrund des straffen Programms sei er sicher, „dass wir alle Spieler brauchen“.

Die Verpflichtung von Goretzka, der bereits im Winter einen Vertrag bis 2022 unterschrieben hat, passe auch gut zur Strategie der Bayern, möglichst viele deutsche Nationalspieler im Kader zu haben, findet Salihamidzic. „Wir wollen die Tugenden des deutschen Fußballs hier haben und den deutschen Fußball auch in der Welt repräsentieren.“ In den vergangenen Jahren haben die Bayern aber eher – dank Pep Guardiola – den spanischen Fußball repräsentiert.

Goretzka gehört nach der verkorksten WM zu jenen Spielern, denen wohl die Zukunft in der deutschen Nationalmannschaft gehört. Er hatte in Russland bei seinem Einsatz gegen Südkorea keine Akzente setzen können, aber ihn traf die Kritik nach dem Ausscheiden ebenso wenig wie die anderen jungen Spieler. Trotzdem hatte er sich im Urlaub viel mit der WM beschäftigt, damit, „was ich hätte besser machen können“.

Wie bei der Zukunftsentscheidung im Winter, hat er auch da viel mit seinen Eltern gesprochen. „Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich am besten fahre, wenn ich es mit mir selbst ausmache. Ich habe lange gebraucht, um das ganze Thema zu verarbeiten und abzuhaken“, erklärte er. Zum seit Wochen beherrschenden Thema Mesut Özil hatte der Confed-Cup-Sieger von 2017 dagegen nichts zu sagen. „Ich möchte mich auf die Aufgaben hier konzentrieren, die sind groß genug für mich.“

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