Saisonauftakt der 2. Liga

Prominent wie nie

von Redaktion

Seien wir ein letztes Mal böse. Und sagen mit Blick auf das Auftakt-Programm der 2. Liga: Hamburger SV – Holstein Kiel kommt einen Spieltag zu spät. Es hätte auch die Relegationspaarung am Ende der vorangegangenen Saison sein können. Die der HSV natürlich gewonnen hätte. Dann wäre er jetzt noch Erstligist und würde mindestens von der Europa League träumen, was Investor Klaus-Michael Kühne mit ein paar Transfers befeuern würde, die sich schon in zwei, drei Wochen als sinnlos erweisen.

Seien wir aber freundlich: Den lange befürchteten Übergang in die Zweitklassigkeit hat der HSV erstaunlich gefestigt hinbekommen. Die neue Liga hat den Vorteil, dass man in ihr öfter gewinnen wird, was ja auch mal ganz schön ist für ein Fußballpublikum. Und dass Lotto King Karl, der singende Stadionsprecher, sich ein paar neue Textzeilen ausdenken muss für seine Hymne „Hamburg, meine Perle“. Wir sind gespannt: Kommt darin der SV Sandhausen vor, jener kleine Club, der das Synonym ist für die Provinzialität, die eine Liga nicht haben will, wenn sie eine bundesweit agierende ist?

Die 2. Liga ist von massiver Fluktuation betroffen, weil sie durch die Relegationen an beiden Enden bis zu sechs Clubs pro Saison verlieren kann. Es gibt Jahre, in denen man ihre unprominenten und kleinen Mitglieder als prägend aufführt. Solch ein Jahr ist 2018/19 nicht: Der HSV und der vorigen Sommer noch in Europa-Erwartung befindliche 1. FC Köln, der den Betriebsunfall eines Fehlstarts erlitt, der nicht mehr zu reparieren war, überstrahlen alles. Eine solche Konstellation hatte die 2. Liga noch nie zu bieten. Ein Segen für die Spielklasse – das Interesse an ihr wird über die regionalen Spots, die einen Verein zum Identifizieren haben, hinausgehen.

Von Dauerhaftigkeit ist in der 2. Liga aber nichts. Köln und Hamburg sind nicht gekommen, um zu bleiben; sie wollen nur kurz mal regenerieren. Wie Hertha BSC, wie der VfB Stuttgart, die Großen, die zuletzt vorbeigeschaut hatten und den sofortigen Wiederaufstieg realisierten. Wer zu lange hängen bleibt in dieser Durchgangsstation, der ist verloren und wird grau, und mit den Jahren greift dann die 3. Liga nach ihm. Gerade der HSV muss nach oben – notfalls über die Relegation. Er kennt sie ja.

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