Der Raumdeuter von Haching

von Redaktion

Lucas Hufnagel bewegt sich wie Bayerns Thomas Müller auf undurchsichtigen Wegen

VON ANDREAS WERNER

Unterhaching – Nach dem 3:1 letzte Woche in Uerdingen sprach Manfred Schwabl Dominik Stahl an. „Und Domi, du hast doch auch schon viel erlebt“, sagte der Unterhachinger Präsident, der früher für die Bayern und den TSV 1860 kickte, „was sagst jetzt zu diesem Spiel?“ Kapitän Stahl antwortete: „Präsident, ich glaube, wir sind heute erwachsen geworden.“

Sie werden den Teufel tun und eine einzige Partie überhöhen, doch vor dem ersten Heimspiel am heutigen Samstag gegen den VfR Aalen (14 Uhr) sind die Hachinger guter Dinge. „Wir gehen alles weiterhin bodenständig an, aber es ist schon deutlich geworden, dass wir bei den Neuzugängen gute Fänge gemacht haben“, sagt Schwabl. Dominik Widemann kam erst in den finalen Minuten, doch Markus Schwabl machte die rechte Seite zu, Marc Endres bewies, dass sie ihn zurecht in der Mannschaft „Katsche“ getauft haben, in Anlehnung an den großen, kompromisslosen Schwarzenbeck – und Lucas Hufnagel zeigte, warum er bei der SpVgg als Kernpunkt der Verpflichtungen gegolten hat. Die neue Nummer 10, die nach drei Jahren beim SC Freiburg und Nürnberg II zu den „Rot-Blauen“ zurückgekehrt ist, glänzte nicht nur wegen des Treffers zum 2:0.

Uerdingens Trainer Stefan Krämer klagte nach der Partie, die Hachinger hätten seine Spieler „in Räume gelockt, in die wir gar nicht wollten“. Sein Pendant Claus Schromm muss bei solchen Sätzen grinsen. Denn dass die Hachinger Raumaufteilung die Gegner verwirrt, ist ja kein Zufall. Lucas Hufnagel nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. „Er geht intuitiv in die freien Räume. Es ist extrem schwer, gegen ihn zu verteidigen“, erläutert Schromm, der den 24-Jährigen bereits als junges Talent betreut hat. „Er ist einer für das letzte Drittel auf dem Spielfeld.“ Da fallen bekanntlich die Entscheidungen.

Präsident Schwabl sieht in dem Rückkehrer einen Typen wie Thomas Müller beim FC Bayern. Auch der bewegt sich gerne auf undurchsichtigen Pfaden, deshalb wurde dem Nationalspieler einst der Rufname Raumdeuter verpasst. „Beim Lucas hast du auch ab und zu das Gefühl, heute haben sie ihm die Füße falsch eingehängt“, findet der Club-Chef, „aber du darfst dich da niemals täuschen bei diesem Burschen: Der ist ausgeschlafen – und plötzlich ist er da.“ In Uerdingen hätte er seinem 2:0 fast noch das 3:0 folgen lassen, aber auch so teilte er sich mit dem Doppeltorschützen Jimmy Müller die Hachinger Heldenrolle.

Die Rückhol-Aktion hat bei den „Rot-Blauen“ Einfluss auf einige Akteure. Für Stahl ist es nun leichter, sich als reiner Sechser auf die Defensive zu konzentrieren. Die Rollenverteilung mit Ulrich Taffertshofer war nicht ganz so ausgeprägt. Vorne hat Sascha Bigalke nun endlich einen, der ihn als Initiator entlastet. Mit diesem zentralen Trio sind die Hachinger schwerer auszurechnen, und in der Hinterhand hat Schromm ja noch immer Orestis Kiomourtzoglou, der in der letzten Saison bewiesen hat, dass auch auf ihn immer Verlass ist. „Wir haben einen Mix aus spielerischem Glanz und Erwachsen werden“, sagt Schwabl. Lucas Hufnagel ist für diese Entwicklung ein Musterbeispiel.

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