Bei den European Championships sind die Frauen in der Überzahl. Der Hintergrund ist: Golf, eine der sieben auserwählten Sportarten, muss ohne Männerkonkurrenz auskommen. Den Herren, mit lukrativen Turnieren ausgelastet, hat der Termin in Glasgow nicht in den Plan gepasst.
Vor gut hundert Jahren war der Siegeszug der Frauen im Sport, die Eroberung praktisch jeder Disziplin, noch nicht abzusehen – wie wir dem Beitrag „Die körperliche Betätigung der studierenden Frau“ der Mathematikerin Elisabeth Ditzen aus Leipzig, erschienen 1910 im Buch „Turnen und Sport an deutschen Hochschulen“ entnehmen können:
„Man sagt gewöhnlich der Studentin nach, daß sie zu viel geistig arbeite. Sie beschäftige sich einseitig mit solcher Arbeit, sie sehe nicht rechts, nicht links, und vernachlässige so über ihrer geistigen Ausbildung vollständig ihre körperliche.“
Doch nun: steigende Anmeldezahlen der Damen bei den Turnstunden.
„Natürlich handelt es sich bei dem Turnen der Studentinnen nicht um eine systematische Ausbildung in einer bestimmten Richtung. Man will sich in den Turnstunden, die gewöhnlich einmal in der Woche stattfinden, nur austoben und ausarbeiten, sodaß man auch einmal körperlich müde wird. So wird kein bestimmtes Gerät, keine Übungsart besonders gepflegt.“
Die Universität in München bot 1910 schon etwas mehr für die weiblichen Studierenden: Bergtouren im Sommer, Skiausflüge im Winter. Doch deutschlandweit blieb das Programm überschaubar.
„Außer dem Schilaufen, Tennis- und Tamburinspielen und dem Fechten wird nur noch das Rudern betrieben, und zwar in Leipzig und Marburg. Gerade bei diesem Sport zeigt es sich am deutlichsten, wie sehr sich die Art des Betriebes bei den Studenten von dem der Studentinnen unterscheidet. Die gemeinsamen Ruderfahrten sind sozusagen nur das Mittel zum Zweck, nie der Zweck selbst. Man will mit ihnen die Studentin nur dazu bewegen, sich einmal in freier Luft gesunde körperliche Bewegung zu machen.“
Seitdem haben sich die Frauen im Sport mächtig in die Riemen gelegt. gük