Die Bilder haben sich eingebrannt: Diego Maradona auf der Tribüne bei Argentiniens WM-Spielen in Russland, mal in Rage, mal schlafend, mal leichenblass – und mal mit dicker Zigarre, mafiös im Mundwinkel. Rauchverbot? Da hustet Diego einem was!
In der Allianz Arena bekäme Maradona ab sofort Probleme, würde er auf der Tribüne qualmen. Das Stadion wurde – bis auf ausgewiesene Stellen – zur rauchfreien Zone erklärt. Die DFL stellt es den Betreibern frei, wie sie die Frage handhaben wollen, man weiß, der Aufschrei ist bei Lastern immer groß, doch in der heutigen Gesellschaft ist Rauch von gestern. In München riskiert man den Aufschrei, und das ist gut so. Zumal es ja weiterhin Bereiche gibt, die den Tabakgenuss zulassen. Also: durchatmen!
Bereits 2004 hat die UEFA das Rauchen auf den Trainerbänken untersagt, zum Leidwesen unter anderem von Werner Lorant oder des Argentiniers Ricardo La Volpe, den man einst nicht grundlos „El Fluppe“ taufte. Quarzen und kicken, das gehört(e) nicht nur bei den Fans zusammen, es ist auch eine Leidenschaft, der sogar die Spieler nachkommen.
Unvergessen ist Walter Frosch, der dem Bundestrainer Jupp Derwall 1976 eine Absage erteilte, als der ihn in die B-Nationalmannschaft berufen wollte. „Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Nationalmannschaft oder der Weltauswahl“, beschied er. Es blieb dann bei null Länderspielen, und auch in die Weltauswahl kam er nie. Frosch stand mal mit einer Zigarette auf dem Rasen des FC St. Pauli, beim „Tag der Legenden“ 2007 am Millerntor hatte er bei einem Interview eine Zigarettenschachtel im Stutzen. Nach mehreren Krebsoperationen starb er mit 62.
Klaus Augenthaler, Mario Basler, Wayne Rooney – die Liste der rauchenden Kicker ist prominent und zieht sich über Jahrzehnte, und selbst der so asketisch wirkende Arsene Wenger qualmte einst nicht nur wie ein Schlot, er verdiente sogar sein Geld als Zigarettenverkäufer. Beim Militär wurde er am Ende des Monats mit Glimmstängeln bezahlt, erzählte er mal, und als Kind betrieben seine Eltern eine Bar, in der so viel geraucht wurde, dass man gar nicht aus den Fenstern schauen konnte. Puh, bekommen Sie beim Lesen dieser Zeilen auch Atemnot? Dann ab in die Allianz Arena – dort verpestet in Zukunft nicht mal mehr ein Diego Maradona die Luft.