Heintz ärgert sich über Silber

von Redaktion

Zwei Vorzeige-Schwimmer enttäuschen bei EM: „Der Kopf hat einfach nicht mitgespielt“ – Hentke verpasst Medaille

Von Jörg Soldwisch

Glasgow – Philip Heintz ärgerte sich nach seinem Silberrennen über ein Kopfproblem, Franziska Hentke war mit Blech total bedient: Ausgerechnet die beiden Vorschwimmer konnten der Goldspur ihrer Teamkollegen bei der EM in Glasgow nicht folgen. Während Titelverteidigerin Hentke als Vierte über 200 m Schmetterling komplett leer ausging, tröstete sich Heintz immerhin mit dem zweiten Platz über 200 m Lagen.

„Körperlich war ich voll da, aber der Kopf hat einfach nicht mitgespielt. Man ist fast davon ausgegangen, dass ich das Gold nach Hause hole. Mit der Rolle des Gejagten bin ich aber nicht zurechtgekommen, das muss ich ehrlich zugeben“, sagte Heintz. Hentke fehlten nach zu forschem Beginn am Ende die Kräfte. „Ich bin lange nicht hintenraus so gestorben wie heute“, berichtete die Vize-Weltmeisterin.

Mit vier Medaillen ist der Deutsche Schwimm-Verband (DSV), der schon zwei Titel in der schottischen Metropole gewann, nach vier von insgesamt sieben Wettkampftagen dennoch im Soll. Die Ausbeute der erfolgreichen Heim-EM vor vier Jahren in Berlin mit sechsmal Edelmetall ist in Reichweite. Denn der DSV hat noch mindestens drei realistische Chancen.

Die Wasserspringer hatten zum Auftakt ihrer EM-Wettkämpfe in Edinburgh Grund zum Jubeln: Die Berliner Maria Kurjo und Lou Massenberg gewannen überraschend Silber im Team-Event.

Heintz verpasste seinem ersten internationalen Titel auf der Langbahn, nach 1:57,83 Minuten fehlten ihm 79 Hundertstelsekunden zum Schweizer Sieger Jeremy Desplanches. Der 24 Jahre alte Heidelberger, der sich bei der WM im Vorjahr öffentlich mit Bundestrainer Henning Lambertz gezofft hatte, war als Goldkandidat an den Start gegangen, lag vor der letzten Bahn aber nur auf dem vierten Rang, er kämpfte sich zwar noch nach vorne, für den Titel reichte es aber nicht.

Hentke war restlos enttäuscht. „Die Zeit macht mich noch trauriger als der Platz“, sagte die 24 Jahre alte Magdeburgerin, die in 2:07,75 Minuten knapp zweieinhalb Sekunden über ihrem deutschen Rekord blieb.

Die gemischte Lagenstaffel verpasste im Finale über 4×100 m auf Platz fünf eine weitere Medaille. Die Rückenschwimmer Christian Diener und Jan-Philip Glania belegten über 100 m die Ränge sieben und acht. Die erst 16-Jährige Isabel Marie Gose wurde im 200-m-Kraulfinale Fünfte. Vielstarter Jacob Heidtmann, am Samstag Europameister mit der gemischten Staffel, zog in den Endlauf über 200 m Freistil ein – und geht damit in sein siebtes EM-Rennen. „Es macht sauviel Spaß, hier zu racen.“

Am Dienstag ist Sarah Köhler die größte deutsche Medaillenhoffnung. Die 24-Jährige, die als Vierte über 800 m Freistil enttäuscht hatte, zog als Vorlauf-Zweite über 1500 m ins Finale ein und zeigte sich bestens erholt. Köhler hat nach dem Rückschlag verstärkt an ihrer Wende gearbeitet und sich Rat von ihrer Psychologin geholt.

Auch ihr Freund Florian Wellbrock dürfte aufbauende Worte gefunden haben. Der frisch gekürte Europameister über 1500 m strotzt nach seinem Gold-Coup nur so vor Selbstvertrauen. Beim Rennen über 800 m ab Dienstag rechnet der 20-Jährige aber mit einer Attacke des geschlagenen Olympiasiegers Gregorio Paltrinieri aus Italien und des Ukrainers Michailo Romantschuk: „Die haben jetzt ein bisschen Frust im Bauch, ich ein gutes Gefühl. Da muss man sehen, was der stärkere Antrieb ist.“

Artikel 1 von 11