Bad Ragaz – Mehr Zusammenhalt, weniger Egoismus – Borussia Dortmund hofft mit umfangreichen Umbauarbeiten auf ein besseres Vereinsklima und einen größeren Erfolg. Nach einer Saison mit negativen Schlagzeilen über den streikenden Ousmane Dembélé oder den Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang wird größerer Wert auf Disziplin gelegt. „Wir haben klarere Verhaltensnormen festgelegt.“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. „Bei uns kann sich keiner mehr wegstreiken.“
Nach seiner Einschätzung haben diverse Disziplinlosigkeiten im Kader für eine wachsende Kluft zwischen Team und Anhängern gesorgt. „Dafür bringen Fans kein Verständnis auf“, sagte Zorc. „Das Gefühl des totalen Zusammenhalts“, das den Verein immer ausgezeichnet habe, sei in der vergangenen Saison ein Stück weit verloren gegangen. „Es gab ein leichtes Auseinanderdriften der BVB-Familie.“
Die viel beachtete Verpflichtung des belgischen Nationalspielers Axel Witsel könnte helfen, das Führungsvakuum im Mittelfeld zu beheben. „Er bringt eine Qualität und Erfahrung mit, die wir so in der Mannschaft nicht haben“ sagt Zorc.
„Chaloupe“ (kleines Boot), wie der 29-Jährige wegen seiner gemächlichen Spielweise gerufen wird, kehrt auch wegen seiner Familie nach nur anderthalb Jahren China den Rücken. Seine Frau Rafaela wollte zurück nach Europa.
Anfang 2017 war Witsel von Zenit St. Petersburg statt zu Juventus Turin, das um den Belgier eifrig geworben hatte, zu Tianjin Quanjian gewechselt, „vor allem wegen des Geldes“, wie er zugibt.
Dass Witsel in seiner Karriere selten den geraden Weg bevorzugte, mag mit seinen Lehrjahren im Profifußball zu tun haben. Zunächst war es steil bergauf gegangen: Profi-Debüt mit 17 bei Standard Lüttich, Meister mit 19 und Wahl zum Nachwuchsfußballer des Jahres. Diesen Höhenflug beendete ein böses Fouli Augustt 2009, als er Marcin Wasilewski von RSC Anderlecht bei einem brutalen Einsteigen das rechte Schien- und Wadenbein brach. Acht Spiele Sperre und eine hohe Geldstrafe erhielt der damals 20-Jährige, dessen bis dahin tadelloser Ruf zerstört war.
Fans protestierten vor seinem Elternhaus, die Schlagzeile „Anschlag Witsels“ sagte alles über sein neues Image aus. Sogar Sponsoren wendeten sich von ihm ab.
Witsel ist längst wieder im Reinen mit sich und der Welt. Auch aufgrund seiner Leistung bei der WM in Russland genießt er weltweit höchsten Respekt. Nun will Dortmund davon profitieren.