München – In seiner aktiven Karriere, die er erst im Alter von 35 Jahren beendete, hat es Daniel Bierofka natürlich auch mal nach Osnabrück verschlagen. Zweimal hatte er mit den Löwen an der Bremer Brücke zu tun, erinnert sich das 1860-Urgestein vor dem Wiedersehen an diesem Mittwoch in der 3. Liga. Einmal, in der Saison 2007/08, sei es nicht gut für Sechzig ausgegangen – „da haben wir unter Marco Kurz 0:3 verloren“. Vier Jahre später, in der ersten Runde des DFB-Pokals, hatte 1860 mehr Glück: Dank der Tore von Benny Lauth (zwei) und Kevin Volland setzten sich Bierofka und Co. in der Verlängerung mit 3:2 durch – obwohl ein gewisser Jan Mauersberger (nach einer Ecke des heutigen Leipzigers Kevin Kampl) den VfL nach 34 Spielminuten mit 2:1 in Führung gebracht hatte.
Nicht schön war der Sieg damals, aber wertvoll. Bierofka, inzwischen Coach beim TSV 1860, nahm aber vor allem eine andere Erkenntnis mit nach Hause. Die nämlich, dass es ganz schön feurig zugehen kann im legendären, noch vor dem zweiten Weltkrieg erbauten Osnabrücker Stadion. „Daher müssen wir zusehen, dass wir die Zuschauer nicht zu sehr auf den Platz holen“, rät er angesichts des alles andere als nordisch unterkühlten VfL-Publikums.
Bierofka weiß auch schon, wie er dafür sorgen will, dass die Euphorie der Heimmannschaft nach zwei Auftaktsiegen nicht noch größer wird: Indem man die Gastgeber zum Hinterherlaufen zwingt. „Wenn wir aktiv Fußball spielen, dann werden wir es vielleicht schaffen, dass die Zuschauer ein bisschen ruhiger werden“, sagt der Coach, der als warnendes Beispiel das 0:1 in Kaiserslautern anführt. Vor zehn Tagen, beim Saisonstart, hatten sich die Löwen in einem anderen Hexenkessel langsam, aber sicher den Schneid abkaufen lassen.
Feurige Osnabrücker
Diesmal jedoch sind die Vorzeichen andere. Die Spieler des Aufsteigers wissen jetzt, dass sie in Liga 3 mithalten können: Der 5:1-Erfolg gegen Lotte hat das Vertrauen in die eigenen Qualitäten gestärkt. Hinzu kommt, dass der Trainer trotz zweier Hitzeschlachten weiterhin aus einem Überangebot an einsatzfähigen Profis auswählen kann. „Wir haben keine Verletzten, die ganze Vorbereitung schon nicht“, sagte Bierofka und klopfte dreimal auf den Tisch. Er mag das, wenn er die Qual der Wahl hat – und kündigte an, die Mannschaft auf maximal drei Positionen zu verändern.
Natürlich hoffen die Löwen auch wieder auf ihren „Ochsen-Sturm“, wie Lottes Kapitän Adam Straight das hünenhafte Duo Adriano Grimaldi und Sascha Mölders getauft hat. Auch VfL-Trainer Daniel Thioune spricht mit Respekt vom am Samstag doppelt erfolgreichen Zweispänner. „Dieser Sturm besitzt eine Topqualität“, sagte er und bezog sich auch gleich auf den Rest des groß gewachsenen 1860-Teams: „Ich glaube, bei den Löwen ist niemand kleiner als 1,79 Meter. Dagegen sind wir mit einer Mäusepolizei unterwegs.“ Aber, fügte er hinzu: Auch die Löwen resp. Ochsen seien bezwingbar – er habe da trotz körperlicher Unterlegenheit „einige Ideen im Köcher“.
Bierofka hat vor allem eins im Sinn: Er will Punkte mitnehmen, am besten alle drei. „Wenn du sagst, du willst ein Unentschieden, dann verlierst du eh. Deswegen fahre ich überall hin und will gewinnen – ob’s dann hinhaut, ist natürlich was anderes.“ Nur eines weiß er sicher: „Die Basis ist immer der direkte Zweikampf. Wenn ich den vermeide, dann kann ich taktisch noch so zaubern – dann werde ich verlieren.“ Speziell in der alten Kampfbahn namens Bremer Brücke.