Auftakt der Berliner EM

Der erste Sieg

von Redaktion

Es war schon eindrucksvoll, wie sich die Berliner Leichtathletik-EM sogleich in Szene setzte. Die Eröffnungsfeier, die Kugelstoß-Qualifikation und die ersten Geherwettbewerbe fanden auf symbolträchtiger Bühne statt: Im Schatten der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz. Dort also, wo vor eineinhalb Jahren ein islamischer Terrorist zwölf Menschen getötet und 70 verletzt hat. An diesem Schauplatz des Schreckens und der Trauer setzten nun Sportler aus ganz Europa ein Zeichen der internationalen Verständigung, des friedvollen Miteinanders. Der Sport siegt über den Horror, der diesen Ort einst heimsuchte, und offenbart dabei seine große Kraft, indem er sich als Sinnbild des Lebens zeigt. Großer Applaus für eine wunderbare Idee.

Die Leichtathletik hat ja schon große Feste gefeiert in Deutschland. Erinnert sei an Olympia 1972 (München), WM 1993 (Stuttgart), EM 2002 (München) und WM 2009 (Berlin). Stets entfachte das Publikum grandiose Partystimmung. Allerdings hat Olympias Königsdisziplin inzwischen – weltweit – an ihrem Zauber eingebüßt. Dopingskandale und korrupte Weltverbandsfunktionäre verursachten eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise. Man musste sich Sorgen machen um jene Sparte, die die Grundlagen sportiver Betätigung (Laufen, Springen, Werfen) zusammenfasst. Und auch wenn der Weltverband inzwischen mit einer Transparenzoffensive auf seine dunkle Vergangenheit reagiert, sind die Imageschäden sicher noch nicht ganz behoben. Hinzu kommt, dass die oft als etwas altmodisch wahrgenommene Leichtathletik im Ringen um mediale Aufmerksamkeit mehr und mehr ins Hintertreffen geraten ist.

Die kontinentalen Titelkämpfe in Berlin könnten nun die – auch hierzulande – überfälligen Impulse für die angeschlagene Leichtathletik bieten. Die sportlichen Grundvoraussetzungen sind vorhanden: Die Gastgeber verfügen über ein schlagkräftiges Aufgebot mit Athleten, von denen einige mit der Strahlkraft von Publikumslieblingen aufwarten können. EM-Organisationschef Clemens Prokop hat sich jedenfalls höchste Ziele gesetzt: „Wir wollen Leichtathletik in einer Attraktivität präsentieren, wie es noch nie geschehen ist.“ Der Auftakt auf dem Breitscheidplatz ist diesem extrem ehrgeizigen Anspruch jedenfalls schon mal gerecht geworden.

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