Der Medaillensatz ist komplett

von Redaktion

Florian Wellbrocks Freundin Sarah Köhler holt binnen von 70 Minuten zweimal Edelmetall

Glasgow – Sarah Köhler hüpfte und schrie, dann fiel sie ihren Teamkolleginnen freudestrahlend um den Hals: Nur 70 Minuten nach ihrem Silberrennen über 1500 m Freistil in deutscher Rekordzeit hatte die Schwimmerin bei der EM in Glasgow auch die deutsche 4×200-m-Staffel zu Bronze gezogen.

„Besser hätte es nicht laufen können“, sagte Köhler breit grinsend zwischen ihren beiden Siegerehrungen. Ihr Freund Florian Wellbrock hatte sie mit einer Deutschland-Fahne auf der Tribüne angefeuert und mit seinem Gold-Coup zwei Tage zuvor auf der gleichen Strecke angestachelt. „Mein Ego hat mich angetrieben. Wenn er vorlegt, muss ich nachlegen“, sagte die 24-Jährige: „Natürlich ist das, was er gezeigt hat, ein anderes Kaliber.“

Im 1500-m-Finale konnte Köhler, die über 800 m als Vierte enttäuscht hatte, nur etwa bis zur Rennhälfte das Tempo der italienischen Siegerin Simona Quadarella mitgehen. Danach hielt die Frankfurterin aber in 15:57,85 Minuten die 16-Jährige Ungarin Ajna Kesely auf Distanz. Celine Rieder (Neckarsulm) wurde Achte.

Nach einer kurzen Pause sprang Köhler erneut ins EM-Becken und schwamm zusammen mit Reva Foos, Isabel Gose und Annika Bruhn in 7:53,76 Minuten auf den dritten Platz. Bei Bruhns Endspurt fieberte sie am Beckenrand mit. „Wir haben Sarah vor dem Start motiviert“, verriet die starke Schlussschwimmerin Bruhn.

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat mit sechsmal Edelmetall bei zwei noch ausstehenden Wettkampftagen die Medaillenbilanz der erfolgreiche Heim-EM 2014 in Berlin bereits egalisiert. Wellbrock (800 m Freistil) und Lisa Graf (200 m Rücken) haben noch realistische Chancen aufs Podest.

Freistilschwimmer Jacob Heidtmann fehlte nach seinem siebten Start über 200 m in fünf Tagen die Kraft, um nach Gold mit der Mixed-Staffel nochmal aufs Podium zu schwimmen. Der Hamburger wurde Achter, genau wie Brustschwimmerin Jessica Steiger über 50 m. Sprinter Damian Wierling belegte im Schmetterling-Finale über 50 m Rang sieben.

Für Köhler ging es zwischen ihren beiden Rennen vor allem darum, so schnell wie möglich wieder zu Kräften zu kommen. Nach einem kurzen TV-Interview eilte die Kurzbahn-Europameisterin zum Ausschwimmen, dann ließ sie sich massieren und hörte zur Entspannung noch etwas Musik.

Bundestrainer Henning Lambertz hatte Köhler ins Staffelfinale geschickt, weil er sie im Vergleich mit Marie Pietruschka, die im Vorlauf geschwommen war, trotz der Mehrfachbelastung für einen Tick stärker einstufte. Damit ging er ein Risiko ein, denn wäre Köhler nach ihrem Einzelfinale zu entkräftet für einen Staffelstart gewesen, wäre eine nachträgliche Änderung nicht mehr möglich gewesen.

Köhlers Freund Wellbrock verhinderte am Dienstagmorgen nur um 0,69 Sekunden ein Vorlauf-Aus über 800 m Freistil. Der 20 Jahre alte Magdeburger zog als Siebter gerade so ins Finale am Mittwochabend ein.

„Ich wusste, dass im Lauf vor mir die Post abgehen wird, deswegen hatte ich etwas Pech“, sagte Wellbrock. Beim Kampf um die Medaillen will er seinen deutschen Rekord (7:46,85 Minuten) angreifen und vielleicht den zweiten Titel gewinnen, „aber ich muss sehen, wie ich die drei Rennen verkrafte“.

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