Kampf gegen die Zeit und Maguire

von Redaktion

Boateng soll nicht die Nummer eins bei Manchester United sein und muss deshalb auf seinen Bayern-Abschied warten

Von Elisabeth Schlammerl

München – In einem aktuellen Videoclip auf der vereinseigenen Homepage ist Jerome Boateng noch zu sehen. Aber während Thomas Müller, Kingsley Coman oder Manuel Neuer wichtige Rollen in dem Beitrag aus dem Trainingslager des FC Bayern am Tegernsee spielen, wirkt Boateng höchstens wie ein Statist aber eher einer, der nicht richtig dazugehört.

Es muss nichts bedeuten, und schon gar nicht, dass die Mitarbeiter der Club-Medien in weiser Voraussicht die Sequenzen zusammengeschnitten haben. Andere Spieler wie Arjen Robben oder Sandro Wagner kommen in dem Beitrag überhaupt nicht vor. Und die beiden haben sicher nicht vor, den deutschen Rekordmeister in den kommenden Tagen zu verlassen – ganz im Gegenteil zu Boateng. Er hat sich damit abgefunden, dass er in der Club-Führung keinen Rückhalt mehr hat. Chef Karl-Heinz Rummenigge hatte bereits vor der WM einen Verkauf des 29-Jährigen ins Spiel gebracht.

Boateng hätte Ende Juli beinahe schon seinen Umzug in die französische Hauptstadt organisieren lassen. Paris St. Germain oder besser der neue Trainer des Meisters, Thomas Tuchel, würde den Innenverteidiger gerne verpflichten, aber die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Angeblich steht dem PSG das Financial Fairplay derzeit noch im Weg. Und plötzlich kam Manchester United ins Spiel.

Die Engländer haben ebenfalls Interesse bekundet, und schienen vor allem deshalb Favorit im Poker um Boateng, weil die Mannschaft von Trainer José Mourinho am Sonntag zum Testspiel in München weilte. Die Wege der Verhandlungsführer wären kurz und vor allem direkt gewesen. Von Paris St. Germain hatte es laut Aussagen von Rummenigge zumindest bis Ende Juli noch keine offizielle Anfrage gegeben.

Nun soll es aber, so versicherte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Sonntagabend, auch zwischen ManU und den Münchnern keine Gespräche über einen möglichen Wechsel von Boateng gegeben haben. Sollte es mit der Rückkehr nach Manchester – Boateng spielte vor seinem Engagement bei den Bayern bereits für den Lokalrivalen City – aber klappen, muss der Transfer bis morgen um 18 Uhr über die Bühne gehen. Die Wechselperiode in England endet anders als in Deutschland schon vor dem Saisonstart.

Allerdings gilt Boateng nicht als Wunschkandidat Nummer eins bei Manchester United. Der Club soll laut „Sky Sports“ um Harry Maguiere von Leicester City werben. Zwar wäre der englische Nationalspieler deutlich teurer als Boateng, die Bayern wollen angeblich 50 bis 60 Millionen Euro, Maguire soll angeblich rund 80 Millionen kosten, aber er ist eben auch deutlich jünger und nicht so verletzungsanfällig wie Boateng in den vergangenen beiden Jahren. Außerdem sorgte Maguire im Gegensatz zum deutschen Nationalspieler mit guten Leistungen bei der WM für Aufmerksamkeit. Neben Maguire soll noch der Kolumbianer Yerry Mina vom FC Barcelona im Gespräch sein. „Mein Vorstandsvorsitzender weiß seit langem, was ich will. Ich weiß, dass er das Beste für mich tut“, sagte Mourinho.

Maguire könnte der teuerste Verteidiger in der Geschichte der Premier League werden. Bisher ist dies Virgil van Dijk, der im Winter für 78,8 Millionen Euro vom FC Southampton zum FC Liverpool gewechselt ist.

Boateng muss sich also wohl noch gedulden. Sein Noch-Trainer Niko Kovac hätte allerdings nichts dagegen, wenn er bliebe. Ebenso wenig die Kollegen. „Jerome ist sehr, sehr wichtig für uns. Auch wegen seiner Präsenz.“, sagte Franck Ribery. „Er ist für mich einer der besten Innenverteidiger der Welt. Wenn er 100 Prozent fit ist, sind wir in der Defensive auch gut drauf.“

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