Lückenkemper rennt zu Silber

von Redaktion

Sprinterin beschert dem DLV die erste Medaille – Kugelstoßer David Storl packt Bronze drauf

VON ULRIKE JOHN und Florian Lütticke

Berlin – Sprintstar Gina Lückenkemper und Kugelstoßer David Storl haben den deutschen Leichtathleten an einem turbulenten Tag bei den Europameisterschaften in Berlin die ersten Medaillen beschert. Die Leverkusenerin strahlte nach Silber über 100 Meter. Der 122-Kilo-Mann aus Leipzig verpasste es als Bronzemedaillengewinner, als erster Sportler seiner Disziplin den vierten EM-Titel in Serie zu holen.

„Das ist einfach nur herrlich. Die Tränen kommen einfach durch die ganze Atmosphäre hier im Stadion, die Zuschauer – das ist einfach nur geil“, meinte die jubelnde Lückenkemper. Gold gewann wie erwartet das britische Supertalent Dina Asher-Smith aus Großbritannien. Die 22-Jährige flitzte in 10,85 Sekunden durchs Ziel vor Lückenkemper (10,98) und der Niederländerin Dafne Schippers (10,99), die ihren dritten Titel in Serie letztlich knapp verpasste. Bei den Männern triumphierte in Zharnel Hughes nur wenig später ebenfalls ein Brite: Er schlug in 9,95 Sekunden seinen Landsmann Reece Prescod (9,96) und den Türken Jak Ali Harvey (10,01).

Lückenkemper hatte bereits im Halbfinale die 11-Sekunden-Marke unterboten. Mit der deutschen Fahne und Freudensprüngen drehte die 21-Jährige ihre Ehrenrunde. „Das ist eine fantastische Leistung“, sagte DLV-Sportdirektor Idriss Gonschinska nach dem Silber-Coup der Sprinterin. Storl hingegen habe „vielleicht etwas die Lockerheit verloren“.

Der zweifache Weltmeister freute sich dennoch „riesig über die Bronzemedaille“. Storl stand nach einer schwierigen Zeit mit enttäuschenden Auftritten bei Olympia 2016 und der WM 2017 aber wieder mal auf dem Podest. Nach dem Trainerwechsel zu Wilko Schaa hat der 28 Jahre alte zweimalige Weltmeister fast wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Die 21,41 Meter aus dem ersten Versuch konnte Storl nicht steigern und musste sich den Polen Michael Haratyk (21,72) und Konrad Bukowiecki (21,66) geschlagen geben.

Richard Ringer hetzte ohne Aussicht dem erhofftem Edelmetall hinterher. Der Ausdauerspezialist aus Friedrichshafen, EM-Dritter von 2016 über 5000 Meter, war als europäischer Jahresbester ins 10 000-Meter-Rennen gegangen. Doch vor 34 882 Zuschauern in Berlin fiel Ringer früh zurück und stieg nach 17 Runden aus. „Ich bin irgendwie platt, es tut mir echt leid“, sagte Ringer. Der Titel ging erstmals an den Franzosen Morhad Amdouni in 28:11,22 Minuten.

Zu den ersten großen Enttäuschungen im insgesamt 125-köpfigen deutschen Team zählte auch der deutsche Rekordhalter Julian Reus: Der Erfurter schied über 100 Meter im Halbfinale nach 10,37 Sekunden aus. Im Zehnkampf vermasselte der Ulmer Mathias Brugger mit drei ungültigen Versuchen im Weitsprung seinen EM-Auftritt.

Abele träumt vom Edelmetall

Das gleiche Missgeschick passierte auch dem Topfavoriten und Weltmeister Kévin Mayer aus Frankreich, der es nicht fassen konnte: „Ich war in einer sehr, sehr guten Form.“ Dafür lag Bruggers Clubkollege Arthur Abele nach dem ersten Tag mit 4285 Punkten hinter dem führenden Briten Tim Duckworth (4380).

In der Hitze von Berlin erreichte Carl Dohmann das beste Ergebnis für deutsche Geher über 50 Kilometer bei einer EM seit der Wiedervereinigung. Der 28-Jährige aus Baden-Baden kam in 3:50:27 Stunden auf einen starken fünften Platz und träumte von mehr. „Am allerbesten wäre irgendwann auch mal eine Medaille“, sagte er.

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