Nach der Alpenüberquerung in die DFB-Auswahl

von Redaktion

Nicole Rolser ist sich für keine Wegstrecke zu schade – nun wird die Bayern-Stürmerin erstmals fürs Nationalteam nominiert

VON ANDREAS WERNER

München – Vor ein paar Tagen grinste Nicole Rolser bei dem Thema noch schelmisch: Wie es denn sei, beim FC Bayern als einzige Nicht-Nationalspielerin in der Startelf zu stehen? „Das ist schon eine Ehre, aber für mich ist es eher zweitrangig“, sagte sie. Auch die WM im nächsten Sommer habe sie nicht im Hinterkopf: „Ich schaue auf meine Leistungen bei Bayern. Alles andere kommt von allein.“

Es ging dann schneller als gedacht: Vor den WM-Qualifikationsspielen in Island am 1. September und gegen die Färöer am 4. September wird DFB-Interimscoach Horst Hrubesch vom 14. bis 16. August ein Kurztrainingslager abhalten. Und Nicole Rolser wurde dazu erstmals in den Kreis der besten deutschen Fußballerinnen berufen.

Die 26-jährige Angreiferin ist nicht die einzige Münchnerin, die Grund zur Freude hat. Auch Simone Laudehr, die letztmals im Oktober dabei war und seitdem wegen einer Fußverletzung ausfiel, gehört wieder zum DFB-Kader. In Sara Däbritz, Kathrin Hendrich, Kristin Demann, Leonie Maier, Verena Schweers (geborene Faißt), Lina Magull und Melanie Leupolz wurden noch weitere sieben Bayerinnen nominiert.

Nicole Rolser war richtig traurig, als die Saison zuende war, sie hatte sich im Laufe der Rückrunde trotz der namhaften Konkurrenz endgültig in der Startelf etabliert. „Ich habe auch Tore gemacht, was lange mein Manko war – ich hätte gerne weitergespielt“, erzählt sie, „man kann schon sagen, dass es bisher meine beste Saison gewesen ist.“ Intern wurde ihr Biss geschätzt. Dass sie sich für keinen Meter zu schade ist, bewies sie sogar im Urlaub, indem sie eine Alpenüberquerung auf sich genommen hat. Und wer keinen Weg scheut, wird belohnt – ihrer führt nun zur DFB-Auswahl. Managerin Karin Danner hatte bereits im Frühjahr geunkt, die Stürmerin hätte mal eine Chance verdient.

Woher ihre Opferbereitschaft kommt, vermag sie selber nicht zu sagen. „Das war schon immer so – wenn die anderen müde werden, gebe ich noch einmal alles, ich bin vom Typ her so: Bei mir ist nix mit aufgeben – dann kann ich mir nichts vorwerfen.“

Sie wird sich auch jetzt nicht ausruhen auf den Lorbeeren, im Gegenteil. Die Nominierung in die Nationalmannschaft verleiht zusätzliche Kraft, außerdem hat sie die letzte Saison noch gut im Kopf. Zu Beginn der Vorrunde saß sie meistens draußen, das soll nicht wieder passieren, sagt sie. „Ich möchte natürlich da anknüpfen, wo ich in der letzten Saison aufgehört habe. Der Konkurrenzkampf ist groß – aber ich werde mich nicht verstecken.“

So viel Kampfgeist möchte auch Hrubesch aus nächster Nähe sehen: „Bevor wir den endgültigen Kader für die Partien gegen Island und Färöer nominieren, bauen wir dieses Trainingslager ein, um einen Eindruck von den Spielerinnen zu bekommen.“ Nicole Rolser ist bereit. Wer schon im Urlaub die Alpen stürmt, taugt für die höchsten Gipfel.

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