Weißwurst als Kraftfutter

von Redaktion

Die HSV-Leihgabe Finn Porath bleibt noch ein weiteres Jahr in Unterhaching – weil sich der 21-Jährige dort trotz seiner Jugend bestens macht

VON ANDREAS WERNER

Unterhaching – Am Sonntag gab es Weißwürste im Mannschaftskreis der SpVgg Unterhaching, ein Einstandsessen, das ist so Brauch. Als Manfred Schwabl vorbeischaute, musste der Präsident grinsen, als er Finn Porath sah, wie er sich über die Brotzeit hermachte, der 21-Jährige, das Nordlicht, die Leihgabe vom Hamburger SV. „Gell, is’ was Guad’s, net immer nur Hering und so“, sagte Schwabl zu Porath, und der gab artig zu, ja es schmecke ihm. „Vielleicht hat er mich da angelogen“, so Schwabl, „aber ich glaub’s eigentlich nicht. Der passt hier im Grunde ganz gut her.“ Porath schmeckt’s in Haching.

Vor der letzten Saison hat der HSV das Offensivtalent dem Drittligisten anvertraut. Porath sollte Spielpraxis sammeln, sich unter Wettkampfbedingungen entwickeln und reifen – all das bewerkstelligte er im Schnelldurchlauf. Trotz seiner Jugend macht er sich bestens, und heute beim Spiel beim Tabellenführer Energie Cottbus wird noch mehr Verantwortung als sonst auf ihm liegen. Sascha Bigalke, dem er als Spielmacher ansonsten assistiert, fällt mit einer Gelb-Rot-Sperre aus. Nun muss Porath die Strippen ziehen.

31 Spiele und fünf Tore ist seine Bilanz im ersten Drittligajahr gewesen, und so musste Porath neulich erst einmal schlucken, als ihm die Hamburger mitteilten, dass sie ihn noch nicht zurückholen, obwohl sie ja in die Zweite Liga abgestiegen sind. „Er war da nicht so begeistert“, weiß Schwabl, „aber er ist ein top Bursche, der gibt jetzt eher noch mehr als weniger. Ich bin sowieso sicher, dass ihm noch ein Jahr bei uns guttut – er muss noch abgezockter, frecher werden. Bei uns kann er sich voll entwickeln.“

Beim 0:0 gegen Aalen gehörte Porath wie so oft zu den auffälligsten Hachingern, er gab zwei Torschussvorlagen und haderte später selber mit zwei verdaddelten Chancen. Dass er so selbstkritisch mit sich umgeht, gefällt Schwabl: „Finn ist ein bodenständiger Typ, der seinen Weg geht, er muss nur so weitermachen.“ Generell sei er ja auch alles andere als unglücklich bei der SpVgg, sagt der 21-Jährige, er habe tolle Mitspieler und in Claus Schromm einen super Trainer. Und, nicht ganz unwichtig: „Wir spielen einfach einen richtig guten Fußball.“

Porath ist heimisch geworden, auch abseits des Platzes. Im letzten Sommer sorgte er mit einem Bild auf Instagram für Wirbel; er posierte in der Kulisse der Komödie „Fack ju Göhte 3“, schrieb dazu „letzterdrehtag“ und „geilezeit“. Es war aber bloß ein kleiner Witz, denn im Gegensatz zu den Bayern-Stars Mats Hummels, Joshua Kimmich und David Alaba hatte er in dem Streifen keine Rolle. Er hatte nur das Set in den Bavaria Filmstudios besucht, und an dem Tag hatte die Crew tatsächlich ihren letzten Drehtag gefeiert. Porath spielt zwar nicht im Film, aber bei Haching eine tragende Rolle. Mit Weißwürsten als Kraftfutter. „Vielleicht“, unkt Präsident Schwabl, „hat irgendeiner seiner Vorfahren ja doch bayerische Wurzeln.“

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