Berlin – Ein ganz Großer geht, die Erinnerung bleibt: Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting hat seine letzte internationale Meisterschaft im Berliner Olympiastadion mit einem achtbaren sechsten Platz beendet. Mehr als 37 000 Zuschauer feierten den 33 Jahre alten Berliner bei der Leichtathletik-EM fast wie vor neun Jahre nach seinem WM-Triumph an gleicher Stelle. Mit seinen 64,33 Metern lag Harting zwischendurch sogar auf Silberkurs. Europameister wurde der Litauer Andrius Gudzius mit 68,46 Metern; Silber holte sich der Schwede Daniel Stahl (68,23 Meter) vor dem Österreicher Lukas Weißhaidinger (65,14).
„Danke für eure prima Unterstützung“, sagte der Publikumsliebling Harting am Stadionmikrofon. Schon bei der Vorstellung feierten die Fans ihren Helden in dessen Berliner „Wohnzimmer“, wo er 2009 den ersten seiner drei WM-Titel erkämpfte und sich martialisch das Trikot zerriss, mit ohrenbetäubenden Ovationen. Harting ballte beide Fäuste.
Noch einmal wird der 33-Jährige ins historische Olympiastadion zurückkommen. Beim ISTAF am 2. September kommt es dann auch zum letzten Bruderduell der Olympiasieger: Robert vs. Christoph. Das Motto: „Der letzte Schrei!“ Die Plakate hängen schon.
Im EM-Finale fiel das Duell aus. Denn mit drei Fehlversuchen war Rio-Olympiasieger Christoph Harting schon in der Quali hängen geblieben. „Ich will nur so viel sagen: Es gibt kein würdiges Finale ohne Daniel Jasinski, ohne Piotr Malachowski und ohne Christoph Harting. Aber ich werde mein Bestes geben“, versprach Harting – und er hielt Wort
Sogar als Lichtgestalt war Deutschlands erfolgreichster Leichtathlet des vergangenen Jahrzehnts bis zum späten Mittwochabend zu bewundern. Auf 2940 Quadratmetern – eindrucksvoll projiziert an eine Hochhaus-Fassade in der City West.
Auch das letzte Bild im Mittwoch-Programmheft der EM – ausgekoppelt aus der EM-Ausgabe der „Micky Maus“ – hat etwas von Abschied: „Hier sind so viele berühmte Athleten“, meint Comic-Figur Harting staunend zu Donald Duck, „aber ich suche mir lieber eine leichtere Disziplin.“
Selten, dass die Deutschen in einer Wurfdisziplin medaillenlos bleiben – wie im Männer-Diskus. Doch dafür lieferte Christina Schwanitz. Auch wenn ihr lange nach Heulen zumute war. Im letzten Durchgang des Finals hatte die Polin Paulina Guba mit 19,33 Metern den Traum vom dritten Titel in Serie zerstört. Nach den 19,19 Metern im ersten Versuch konnte die 32-jährige Chemnitzerin sich nicht mehr steigern und musste mit Silber zufrieden sein.
„Wenn man weiß, dass man locker einen dreiviertel Meter weiter stoßen kann, ist das ärgerlich“, haderte Schwanitz. „Wenn man aber bedenkt, dass ich letztes Jahr Mama von Zwillingen geworden bin. . . Ich hab’ mich unheimlich schwer getan. Die Leistung war doof.“
Die Weltmeisterin von 2015 musste Ehemann, Kinder und Hochleistungstraining unter einen Hut bringen – und kehrte dennoch im Rekordtempo in die Weltklasse zurück. Bei der „Deutschen“ hatte sie über 20 Meter gestoßen. Danach hatte sie auf dem Weg ins ZDF-Sportstudio einen Auffahrunfall, erlitt ein Schleudertrauma.