Robert Hartings Abschied

Unbequem, aber beliebt

von Redaktion

Es ist noch nicht ganz vorbei, aber Robert Harting hat schon einmal einen Vorgeschmack bekommen, was bei seinen endgültigen Abschied Anfang September beim ISTAF, ebenfalls im Berliner Olympiastadion, passieren wird. Der Diskuswerfer, der gestern Abend seinen letzten Wettkampf bei einer Meisterschaft bestritten hat, war in den vergangenen Jahren auch die Lichtgestalt der deutschen Leichtathletik. Wegen seiner Erfolge, Olympiasieger, dreimal Weltmeister, zweimal Europameister, aber nicht nur deshalb.

Robert Harting ist beliebt, weil er stets vorangegangen ist. Mit seiner Meinung hat er zwar polarisiert und so manchen Funktionär vor den Kopf gestoßen, aber sich in den letzten Jahren für seine Sportart stark gemacht, Reformen gefordert und vor allem einen entschiedenen Kampf gegen Doping geführt. Dass er einst selbst von einem Mann trainiert wurde, der ins Doping-System der DDR verstrickt war, gehört zu den Widersprüchen in Hartings Karriere.

Er wird eine Lücke hinterlassen, die nur schwer zu füllen ist. Robert Hartings jüngerer Bruder Christoph bekommt dafür jedenfalls nicht in Frage. Er ist ebenfalls Olympiasieger, aber das Diskuswerfen ist für ihn keine Leidenschaft wie für Robert, sondern ein Job. Während sein Bruder die Mechanismen des Marktes für sich, für seinen Sport nutzt, fällt Christoph oft mit schlechten Manieren und peinlichen Aussagen auf. In Berlin ließ er wissen, dass die EM viel zu klein für ihn sei, um anschließend krachend in der Qualifikation zu scheitern. Womöglich sind dies nur Versuche, sich von seinem übermächtigen Bruder abzugrenzen. Künftig muss er dies nicht mehr. Im Diskusring ist er in ein paar Wochen der einzige Harting.

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