Bierofka sucht Männer mit Biss

von Redaktion

Erst Dornach im Toto-, dann Kiel im DFB-Pokal: Die Löwen streben Erfolgserlebnisse an, die in der Liga helfen sollen

von uli kellner

München – Kaum in der 3. Liga angekommen, ruht sie auch schon wieder – sehr zum Leidwesen der Löwen, die am liebsten sofort zum nächsten Gegner Aalen gereist wären, um die ärgerlich 0:1-Pleite gegen Mitaufsteiger Uerdingen auszugleichen. „Klar hätten wir lieber in der Liga gespielt“, bekannte Rechtsaußen Marius Willsch nach dem zweiten Nachspielzeit-Nackenschlag binnen vier Tagen (zuvor 2:2 in Osnabrück). Kurz horchte der ehemalige Schweinfurter seinen Worten nach, dann sagte er: „Vielleicht ist der Pokal aber auch eine gute Ablenkung.“

Treffender wäre gewesen: die beiden Pokale, denn die Löwen sind in dieser Woche gleich in zwei Wettbewerben gefordert. Bereits am Abend des Feiertags ist Totopokal angesagt – es geht um 18.30 Uhr in Heimstetten gegen den vom legendären Toni Plattner trainierten Bezirksligisten SV Dornach. Da nur die vier bestplatzierten Drittligisten in der ersten Runde des DFB-Pokal dabei sind, wollen sich die Löwen auf diesem Wege ihr Startrecht für die Saison 2019/20 sichern. Vier Tage später, am Sonntag, 18.30 Uhr, geht es dann in eben diesem Wettbewerb weiter, den die Löwen als bestes bayerisches Amateurteam der Saison 2017/18 erreicht haben. Es kommt zum Wiedersehen mit Holstein Kiel, dem Relegationsgegner 2015 – allerdings mit vertauschten Rollen. Diesmal ist 1860 Dritt- und Kiel Zweitligist. Ohne Kai Bülows berühmtes Last-Minute-Tor hätte das schon früher die hierarchische Konstellation sein können.

Doch zunächst mal ist Verbandspokal angesagt, gegen einen Siebtligisten, der sein Losglück kaum fassen konnte. Ähnlich ungleiche Duelle kennen die Löwen aus ihrem Regionalligajahr, als die ersten Gegner VfR Neuburg (0:4) und TSV Dorfen (0:7) hießen und jeweils standesgemäß abgeschossen wurden.

Was damals galt, gilt für Daniel Bierofka auch diese Saison: Es gibt einen Pokalkeeper – denjenigen, der nicht in der Liga hält, diesmal also Marco Hiller. Und es wird zumindest in den ersten Runden ein Team auflaufen, das wenig bis gar nichts mit den Formationen der Liga zu tun haben wird. „Gegen Kiel werde ich niemanden schonen, das ist klar“, legte sich der Löwen-Coach fest: „Gegen Dornach werde ich aber sicher ein paar Spielern Matchpraxis ermöglichen.“ Stefan Lex nannte er namentlich, aber auch einige bisher unberücksichtigte Aufstiegshelden dürfte Bierofka mit Einsatzzeit belohnen (etwa Seferings, Köppel, Ziereis). Heute und auch am Sonntag gilt zudem noch etwas anderes: Thema ist der „Biss“, den Bierofka am Sonntag in der Schlussphase vermisst hatte. „Ich will jetzt einfach eine Reaktion sehen von meinen Spielern“, stellte er klar: „Ich werde in den nächsten zwei Wochen genau hinschauen, mit welcher Mannschaft ich dann (am Samstag, 25. August) nach Aalen fahre.“

Zwei Pokalrunden dienen somit als Casting für den Ernstfall in der 3. Liga. Und natürlich lautet die Devise: In beiden Wettbewerben so weit kommen wie möglich. Das letzte Totopokal-Abenteuer endete für 1860 jäh, aber nicht ganz überraschend im Halbfinale. Bierofka nahm das Aus in Bayreuth (1:2) in Kauf, weil sein Team die Hauptziele bereits erreicht hatte – den Startplatz im DFB-Pokal und vor allem: die Teilnahme an der Relegation. Wenige Tage vor den Playoffs gegen Saarbrücken schickte er eine C-Elf ins Rennen und bescherte damit dreien seiner aktuellen Profis unvergessliche Momente. Kristian Böhnlein war Kapitän jener Bayreuther Mannschaft, die 1860 besiegte und im Finale dann Schweinfurt unterlag, dem damaligen Club von Willsch und Herbert Paul, die am Sonntag gemeinsam die rechte TSV-Seite beackerten. „Ich will unbedingt den Titel zum dritten Mal in Folge gewinnen“, sagt Willsch zu seiner persönlichen Motivation. Er ahnt: „Es wird kein Spaziergang, da es für alle Gegner das Spiel des Jahres ist.“ Aber das kennen die Löwen ja noch.

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