Man hatte das ja schon einige Male erlebt in deutschen Landen. 2002 bei der EM in München etwa, oder 2009 bei der WM in Berlin. Die Leichtathletik trifft hier erfahrungsgemäß auf kolossale Resonanz. Das spricht einerseits für das ovationsbereite, fachkundige Publikum – und andererseits für die Sportart selbst. Auch bei der EM nun in Berlin entfaltete die Leichtathletik ihre ganz besondere Kraft und Schönheit. Die allseits gepriesene Partystimmung barg sicher auch den Nachweis, dass der vom Fernsehen zunehmend vernachlässigte Wettstreit der Läufer, Springer und Werfer immer noch eine Attraktion ist. Wobei allerdings angemerkt sei, dass die EM zwar eine Menge starker Bilder lieferte – sich die beiden deutschen TV-Anstalten in punkto Bildregie und Kommentierung aber nicht immer auf höchstem EM-Niveau befanden.
Basis der Berliner Jubeltage war natürlich der starke Auftritt des deutschen Teams. Die schöne Ausbeute: 19 Medaillen – so viele wie keine andere Nation. DLV-Sportdirektor Gonschinska hat da mit seinen Leuten ganze Arbeit geleistet. Doch über die globale Konkurrenzfähigkeit sagt die EM-Bilanz nicht allzu viel aus. Mit ihren Berliner Resultaten hätten bei der WM 2017 nur sechs deutsche Leichtathleten Medaillen errungen: Thomas Röhler, Kristin Hussong (beide Speerwerfen), Mateusz Przybylko (Hochsprung), Pamela Dutkiewicz (Hürdensprint), Christina Schwanitz (Kugel) und Carolin Schäfer (Siebenkampf). Es gibt also noch einiges zu tun bis zu Olympia 2020 in Tokio.