Da standen sie nun, die Stars des FC Bayern mit ihrem sechsten Supercup, eingefroren zu einer triumphalen Momentaufnahme. Die sogenannte Mannequin-Challenge, bei der es zur Kunst wird, einmal nichts zu tun, ist zwar schon eine Weile out, doch es passt ja ganz gut in die Landschaft, dass man diesen FC Bayern vor dem Saisonstart 2018/19 mal in Ruhe betrachtet: Was für ein Bild gibt er ab?
Stillstand wie bei der Mannequin-Challenge ist ja eigentlich so gar nichts für Sportler, und für neue Dynamik an der Säbener Straße soll Niko Kovac sorgen. Der Trainer hat in den ersten Wochen ein interessantes Potpourri präsentiert. Es steckt viel Jupp Heynckes und auch weiterhin eine geschmackvolle Nuance Pep Guardiola drin, denn das Personal ist das Gleiche wie unter seinen Vorgängern, aber die Münchner schalten nun schneller um als früher. Hier macht sich eine Prise Quälix bezahlt, denn wie Felix Magath einst setzt der Kroate auf ein hohes Pensum im Training – mit dem feinen Unterschied, die Stars nicht kaputtzucoachen. Magath wurde zu seinen Frankfurter Zeiten mal „Saddam“ genannt, in Anspielung auf einen unerbittlichen Diktator. Kovac haben solche Bezeichnungen nicht aus der Mainmetropole begleitet, und im Grunde wäre so ein Mix aus einer Basis Jupp, mit einer Prise Qälix und einer Nuance Pep ja genau das, was sich die Bosse an der Säbener Straße wünschen.
Ob das alles aber so munter weitergeht, bleibt dennoch die große Frage. Eintracht Frankfurt war am Sonntag kein Gradmesser, auch Manchester United bei der Präsentation der neuen Allianz Arena in der Woche zuvor machte keinen Hehl daraus, sich als reinen Show-Act gesehen zu haben. Nicht abstreiten darf man den Bayern allerdings, dass sie beide Partien gut im Griff hatten. Ein Gegner ist zu einem großen Teil auch immer nur so gut, wie es sein Pendant gegenüber zulässt. Und Bayern ließ wenig zu.
Es ist alles noch auf der Auftakt, und auch die internationale Konkurrenz kann sich sehen lassen: Barcelona holte in Spanien den Pokal, Paris und Liverpool starteten mit Siegen in ihre Ligen. Entscheidend wird sein, mit welchen Trophäen man am Ende einer Saison eine Mannequin-Challenge zelebrieren kann. Momentan steht man einfach mal im Schaufenster. Gut aussehend, keine Frage. Aber auch stilbildend? Das wird sich erst noch zeigen.