Ulm – Nach dem zweiten Desaster innerhalb von sechs Tagen trotteten die Spieler von Eintracht Frankfurt immerhin noch brav zur Fankurve. Unmut bekamen sie von dort aber nicht zu hören – das Entsetzen über das 1:2 beim Viertligisten SSV Ulm war offenkundig so groß, dass es eine lähmende Wirkung hatte. 91 Tage nach dem grandiosen Triumph im Endspiel um den DFB-Pokal sind die Eintracht und ihre Fans schon wieder am Boden zerstört.
Erst das 0:5 im Endspiel um den Supercup gegen den FC Bayern, den im Pokalfinale so grandios besiegten Rekordtitelträger – nun die Blamage beim Tabellendritten der Regionalliga Südwest, der vor vier Jahren noch insolvent war: Als erster Pokalsieger seit 22 Jahren ist Frankfurt schon beim ersten Schritt zur Titelverteidigung gescheitert. „Gegen den FC Bayern kann man verlieren“, sagte der neue Trainer Adi Hütter, „dass wir hier verlieren, ist enttäuschend, da braucht man nicht um den heißen Brei rumzureden“.
Nein, beschönigen wollten sie bei der Eintracht nun in der Tat nichts. Danny Da Costa etwa sagte: „Es gibt kaum ein Wort, das beschreiben kann, wie schlecht wir uns angestellt haben.“ Der genervt wirkende Sportdirektor Bruno Hübner betonte mehrfach, wie „enttäuschend“ das Ausscheiden sei, dass „man bei einem Viertligisten nicht verlieren darf“ und dass „man das nicht schönzureden braucht“. Trainer Hütter sagte mit leiser Stimme: „Dass ich mir das anders vorgestellt habe, ist klar.“
Die Eintracht hatte jede Menge Pech: Bei Schüssen von Luka Jovic und Juan De Guzmann stand der Pfosten im Weg, den Treffern von Jovic und Sebastien Heller verweigerten die Schiedsrichter um Timo Gerach wegen Abseits. Im Fall von Jovic wohl zu Unrecht. Goncalo Paciencas Tor (90.) kam zu spät, nachdem Steffen Kienle (48.) und Vitalij Lux (75.) für Ulm getroffen hatten. Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic aber wollte die umstrittene Entscheidung nicht als Ausrede gelten lassen. „Für mich gab es zu wenig Wille und Galligkeit, diese Tore zu machen“, sagte er bei „Sky“.
Sportdirektor Hübner versicherte, schon beim Bundesligaauftakt in Freiburg „werden wir ein anderes Gesicht zeigen“. Aber welches? Die Eintracht wirkt, Stand jetzt, nicht homogen, das Gerüst ist nach Abgängen wie jenen von Kevin-Prince Boateng instabil. „Wir müssen eine neue Mannschaft aufbauen“, sagte Hütter. „Das geht alles nicht von heute auf morgen.“ sid