München – Nein, eine japanische Meisterschaft war das nicht am Samstagabend im Münchner Olympiapark. Auch, wenn es beinahe so wirkte. „Gamba, gamba“ erschallte es immer wieder unter dem Zeltdach des Olympiastadions – es ist der unverkennbare Anfeuerungsruf der japanischen Kletterer. Von den insgesamt 40 Männern und Frauen, die sich für das Halbfinale beim Weltcup-Finale der Boulderer qualifiziert hatten, kamen 15 aus Japan. Beobachtet wurden sie von einem guten Dutzend Journalisten, welches die lange Reise vom ostasiatischen Inselstaat in die Landeshauptstadt angetreten hatte. Das japanische Fernsehen berichtete trotz Zeitverschiebung live.
„Die japanische Nationalmannschaft ist momentan eine Bastion im Bouldern“, sagte Kletter-Bundestrainer Urs Stöcker mit seinem markanten Schweizer Akzent. Er selbst musste zu diesem Zeitpunkt, kurz vor den Finals, noch einen heftigen Rückschlag verdauen. Zwei Wochen vor der Kletter-Weltmeisterschaft in Innsbruck hatte es beim Heimweltcup keiner seiner Athleten in die Runde der sechs Besten geschafft. „Wir müssen jetzt schauen, an was es lag und diese Schwachstellen bis zur WM ausmerzen“, so Stöcker.
Der Nationalcoach hatte aber auch gleich eine mögliche Erklärung für die schwachen Leistungen der deutschen Kletterer parat. Viele Athleten würden momentan Lead trainieren, berichtete Stöcker. Neben Speed und Bouldern ist Lead eine der drei Disziplinen des neuen olympischen Dreikampfs. „Da kann es schon sein, dass wir gegenüber den Spezialisten etwas im Hintertreffen sind.“
Ein solcher Spezialist ist der Slowene Gregor Vezonik. Bisher hat er sich fast ausschließlich auf das Bouldern konzentriert. In München holte sich der 23-Jährige seinen ersten Weltcup-Sieg. „Endlich hat sich die harte Arbeit ausgezahlt“, freute sich Vezonik. Er war einer der Slowenen, die es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht hatten, die japanische Party im Olympiapark zu „crashen“. Platz zwei bei den Männern ging an Vezoniks Teamkollegen Jernej Kruder. Der sicherte sich in München auch gleich noch den Gesamtweltcup.
Die Japaner mussten sich zum Saisonabschluss mit dem 4. und 5. Platz begnügen. „Wenn es bei uns läuft, sind wir schwer zu stoppen“, sagte Vezonik – und es lief prächtig für die Slowenen. Bei den Damen konnte Janja Garnbret ihren Triumph aus dem Vorjahr wiederholen. Der japanischen Gesamtweltcupsiegerin Miho Nonaka und ihrer Landsfrau Akiyo Noguchi blieben nur die unteren Stufen auf dem Podest.
Sie hatten alles versucht um Garnbret, die erst 19-jährige Überfliegerin der Kletterszene, zu besiegen. Doch im Finale erklomm die Slowenin alle vier Boulder im ersten Versuch – der perfekte Wettkampf. „Das ist ein Traum“, sagte die sichtlich bewegte Garnbret. Ihre Ziele für die Zukunft? Medaillen in Lead und Bouldern bei der WM in Innsbruck und natürlich die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio.
Dort will auch der Deutsche Alpenverein mindestens drei Athleten an den Start bringen. Dafür versuche man sich „Know-how von den Japanern abzuholen“, verkündete Trainer Urs Stöcker. Dieses Jahr gab es bereits ein gemeinsames Trainingslager, 2019 reist man wieder nach Japan. Vielleicht täte es aber auch ein Ausflug ins näher gelegene Slowenien.