Augsburg – Caiuby, der Brasilianer mit dem fröhlich-markanten Lockenkopf, hat ein Glück, dass er in Augsburg spielt. Und nicht in München. Was wäre da los angesichts der Geschichten, die er abseits des Fußballplatzes liefert?
Es steht gerade einiges auf Caiubys Kerbholz. Eine Anzeige wegen Schwarzfahrens in der Deutschen Bahn (Strecke München – Augsburg), eine Anzeige, weil er einen ihm zu aufdringlichen Fan nächtens in einer Augsburger Lokalität per Kopfstoß in die Schranken gewiesen haben soll, eine Räumungsklage seines Vermieters wegen Lärmbelästigung der Mitbewohner – und schließlich hat sich Caiuby Francisco da Silva auch noch bei seinem duldsamen Verein unbeliebt gemacht. Weil er zu Trainingsbeginn einige Tage abgängig war. Der Klassiker: eigenmächtige Urlaubsverlängerung, er war nicht erreichbar, der FCA in Sorge. Nach Dienstantritt hat der 30-Jährige eine Strafe im niedrigen fünfstelligen Bereich entrichten und etliche Einheiten abseits des Mannschaftstrainings ableisten müssen.
Aber: Augsburg ist Augsburg – und der Fall Caiuby nicht der große Aufreger, der er andernorts wäre. Und auch bundesweit gilt: Ist eben nur Augsburg. Der Standort, der am geringsten Beachtung findet, nimmt man das Quoten-Ranking des Pay-TV-Senders Sky als Maßstab. Da ist der FCA 18. – seine Punktspiele wollten im Schnitt 280 000 Leute live auf dem Bildschirm sehen. Die Absteiger Hamburg und Köln waren Vierter und Fünfter in dieser Liste.
Der FC Augsburg geht in sein nun schon achtes Jahr in der Bundesliga, er müsste also voll dazugehören. Die stabile sportliche Entwicklung hat der Club selbst nicht abgesehen. 2011 trat er bescheiden mit dem Vorhaben an, innerhalb von fünf Jahren sich so zu festigen, dass man nach einem Abstieg in der Lage sein müsste, sofort wieder um den Aufstieg zu spielen. Doch der FCA musste nicht runter in die 2. Liga, eine Saison hat er sogar Europa League gespielt und Jürgen Klopps Liverpooler gestresst.
Nach Überstehen der Fünf-Jahres-Frist ist aber keine neue Ansage gekommen, wo sich der FC Augsburg in der Zukunft sieht. Manager Stefan Reuter, seit der Mitte des zweiten Bundesligajahrs dabei, greift bei der Formulierung der Ziele stets in seinen Satzbaukasten: „Drei Vereine hinter uns lassen.“
Der Mannschaft ist das ein bisschen zu wenig. In der vorigen Saison befand sie sich einige Zeit auf Kurs der Europa-League-Plätze. Torjäger Alfred Finnbogason führte die Gruppe der Spieler an, die kryptisch sagte, sie hätte intern schriftlich fixiert, welcher Platz es sein solle. In dere Rückrunde, aufgrund einiger Verletzungen und im frühen Gefühl der Klassenerhaltssicherheit ließ das Team aber nach. Trainer Manuel Baum ärgerte sich, dass letztlich nur der Rang heraussprang, den er bei einem Auftritt im ZDF-Sportstudio in der Hinrunde vorausgesagt hatte: Zwölfter.
Und 2018/19? Hat der FCA von seinen Stammkräften nur Torhüter Marwin Hitz (Dortmund) verloren. Er hat für den Angriff Andre Hahn (HSV) geholt, der in Augsburg 2014 zum (einmaligen) Nationalspieler geworden war, und Julian Schieber (Berlin). Ein immer noch typischer FCA-Transfer: ein in Vergessenheit geratener talentierter Spieler. Die Hoffnung: Möge er im Biotop Augsburg erblühen.
Allerdings: Mittelstürmer Schieber hat sich gleich wieder am Knie operieren lassen müssen, Alfred Finnbogason spürt die WM-Nachwehen mit Island in Form einer entzündeten Patellasehne. Die beiden fallen für einige Wochen aus. Der FCA braucht also Caiuby – trotz der Skandallage.