Schluss mit „Dahindämmern“

von Redaktion

Ab heute bespricht Löw in einem Krisentreffen mit DFB- und DFL-Spitze seine Erkenntnisse nach der WM-Blamage

München – Uli Hoeneß hat die Wochen der Wahrheit im DFB mit markigen Worten eingeläutet. Es sei okay, dass es nach der WM-Blamage keine Schnellschüsse gegeben habe, sagte der Präsident des FC Bayern, aber Joachim Löw müsse nun liefern: „Bis zur EM 2020 hat er eine Mannschaft aufzubauen, er kann jetzt nicht vier Jahre dahindämmern, bis ihm eine Idee einfällt – und wenn das Konzept dann nicht funktioniert, sagt er Arrivederci.“ Das muss schon alles früher und fundiert skizziert sein. Ab heute ist die Zeit des „Dahindämmerns“ passé. Der Bundestrainer wird in einem Krisentreffen mit DFB und DFL die WM-Lehren erörtern.

Unter anderem werden DFB-Chef Reinhard Grindel, DFL-Boss Reinhard Rauball und Vertreter der Top-Clubs um den FC Bayern Löws Ausführungen zuhören. Grindel hat schon ein paar Strukturänderungen angedeutet, Oliver Bierhoff soll etwa entlastet werden, indem ein Sportdirektor und ein Leiter für die Akademie eingestellt werden – doch mit großer Spannung werden die Konsequenzen erwartet, die der Bundestrainer ziehen möchte. Spätestens am Mittwoch in einer Woche bei der Bekanntgabe des Kaders für das Länderspiel gegen Frankreich in München (6. September) soll auch die Öffentlichkeit über Neuerungen voll informiert werden.

Hoeneß hatte sich stellvertretend für die deutschen Anhänger von der laschen Einstellung der DFB-Spieler auf dem Feld enttäuscht gezeigt. „So, wie die sich in Russland über den Platz geschleppt haben, konnte man von harter Arbeit nichts sehen“, sagte der 66-Jährige, wobei er seine Bayern-Spieler dabei nicht freisprach: „Bei uns hatte sich am Saisonende eine Müdigkeit eingeschlichen, die auch dazu geführt hat, dass die Nationalmannschaft in Russland nicht wie gewünscht gespielt hat. Unsere Spieler haben da nicht die Leistung gebracht, die notwendig gewesen wäre – mit Ausnahme von Manuel Neuer.“ Auch die Münchner sehen sich nun in der Pflicht. „Wir alle haben eine Verantwortung für den deutschen Fußball und werden hart arbeiten“, so der Bayern-Boss.

Zur Causa Mesut Özil legte Hoeneß noch ein letztes Mal nach: Man hätte den inzwischen zurückgetretenen Nationalspieler nach dessen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „zwingen müssen, eine Erklärung abzugeben – das war wahrscheinlich der größte Fehler überhaupt, denn das war ja keine Lappalie, das hat der ganzen Diskussion erst die Türe geöffnet“. Hoeneß sei kein Özil-Hasser, wie ihn der „Spiegel“ neulich nannte, meinte der Bayern-Präsident, er finde nur: „Seine Agentur lässt ihn viel besser dastehen, als er eigentlich ist.“ Auch der Umgang mit dieser Personalie wird die Teilnehmer des Krisentreffens ab heute beschäftigen. ANDREAS WERNER

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