Weiter mit „Mister fix it“

von Redaktion

Lewandowski verlängert mit dem Berater Zahavi, der den Ruf hat, Unmögliches möglich zu machen

VON ANDREAS WERNER

München – Die Marschroute ist klar: Kein Millimeter wird Robert Lewandowski nachgegeben. Intern haben sich Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic schon vor einiger Zeit festgelegt, dass man den Starstürmer auf keinen Fall verkaufen wird, und wenn er noch so auf einen Wechsel drängt. Sogar einen Streik wie bei Ousmane Dembele im letzten Sommer bei Borussia Dortmund würde man aussitzen.

Seinen Berater Pini Zahavi ließen die Bosse am ausgestreckten Arm verhungern, indem sie ihm keinen Termin gaben, bevor das Transferfenster am 31. August schließt – praktischerweise endete eigentlich am gleichen Tag das Vertragsverhältnis zwischen dem Profi und dem umtriebigen Strippenzieher. Gestern aber sickerte durch, Lewandowski hätte die Kooperation mit Zahavi verlängert. Der steht in dem Ruf, Unmögliches möglich zu machen.

In England ist Zahavi als „Mister fix it“ bekannt, weil es bei ihm verlässlich zu Vertragsabschlüssen kommt, sobald er erst mal eingeschaltet wurde. Der englische „Guardian“ nannte ihn schon 2006 den „ersten und einzigen Super-Agenten des Fußballs“. Einen Mann für die unmöglichen Missionen benötigt Lewandowski tatsächlich, will er München noch verlassen.

Er habe auf der ganzen Welt noch nie jemanden enttäuscht, sagte Zahavi, als er im Frühjahr als Berater von Lewandowski installiert wurde. Allerdings stellt sich die Frage, was er nun im Falle des Polen noch erreichen möchte: Der Stürmer wird heute 30 Jahre, und auch wenn er seinen Körper fast so akribisch pflegt wie Cristiano Ronaldo, ist das ein Alter, in dem große Clubs von großen Angeboten absehen – zumal er bei der WM und schon zuvor in den wichtigen Spielen der Champions League keine Begehrlichkeiten geweckt hatte.

Die Situation ist schwierig, verfahren – zumindest von außen betrachtet, denn intern sehen es die Bayern ja gelassen. Die Fans jedenfalls sind von Lewandowski abgerückt, was selten der Fall ist bei einem, der viele Tore schießt. Dass er im Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid nicht in Erscheinung trat, wirkte fast so, als wäre es Kalkül gewesen, und im Kontext all dieser Umstände hatte es dann einen Beigeschmack, als Lewandowski neulich eine Aussprache mit den Clubchefs einforderte. Als würde ein Bäcker alle seine Semmeln verhunzen, seine gesamte Kundschaft anmaulen und dann verlangen, dass sie ihm noch mehr abkaufen.

Hoeneß bekräftigte gerade erst, die Bayern würden ihre Haltung trotz allem durchziehen. An der Säbener Straße hofft man weiterhin, dass bei Lewandowski ein ähnlicher Effekt wie einst bei Franck Ribery einsetzt, der München nach vielen ausgeschlagenen Top-Angeboten als seine Heimat anerkannt hat und längst alle Abschiedsgedanken beerdigt hat. „Wenn Robert seinen Rucksack ablegt, haben wir am 31. August den besten Neuzugang“, meint Hoeneß, „er hat drei Jahre Vertrag, in Form schießt er diese Saison 35 Tore. Er wird eine großartige Saison spielen.“ Solange ihn sein Berater lässt.

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