München – Es ist nicht so, dass sich Thomas Wörle nicht freut, Kristin Kögel wieder am FC Bayern Campus begrüßen zu können. Gleichzeitig hätte der Coach des FC Bayern der Stürmerin einen längeren Aufenthalt in Frankreich bei der U 20-WM gegönnt. Doch das Turnier ist für die deutschen Juniorinnen bereits im ersten K.o.-Spiel jäh geendet. Das Aus im Viertelfinale gegen Japan verfestigt den Eindruck, dass der deutsche Frauenfußball harten Zeiten entgegensteuert.
Die deutsche A-Nationalelf steckt in einer Krise wie nie, und umso frustrierender sind die Hiobsbotschaften aus dem Unterbau. Ende Juli erreichte die U 19 zwar das EM-Finale, war gegen Spanien jedoch chancenlos. Genauso erging es der U 17 zuvor bei der EM, ebenfalls gegen Spanien. Bei der U 20-WM stehen nun in Frankreich, England und Spanien drei europäische Nationen im Halbfinale, die schon seit längerer Zeit viel Aufwand betreiben, um die deutsche Hegemonialmacht auf alle Ewigkeit ins Reich der Geschichte zu verbannen. Auch die Japanerinnen, musste Trainerin Maren Meinert zugeben, seien beim 1:3 „superstark“ gewesen. Es reiche dann einfach nicht.
Kristin Kögel saß gegen die Asiatinnen 90 Minuten draußen, auch beim 1:0 zum Auftakt gegen Nigeria durfte sie nicht ran. Das Bayern-Talent, neben der niederländischen Torfrau Jacintha Weimar einzige Abgesandte der Münchner beim Turnier, bekam allerdings beim 2:0 über China eine Chance und steuerte beim 3:2 gegen Haiti bei einem 90-minütigen Einsatz sogar einen Treffer bei. „Sie ist eine kleine, wendige Stürmerin, eine Zockerin mit einem guten Auge“, sagt Wörle über die 17-Jährige, die nun bei der zweiten Mannschaft in der neuen eingleisigen Zweiten Liga weiter reifen soll, obwohl sie aber auch schon ein paar Einsätze in Wörles Team feiern durfte. Ihr größter Erfolg ist bisher der Gewinn der U 17-EM 2016, im gleichen Jahr erreichte sie zudem das Viertelfinale der WM. Ein weiterer Coup blieb nun aber aus – Deutschland hat zu wenige Zockerinnen, die es international draufhaben.
Bei der U-20-WM vor vier Jahren verteidigte die DFB-Auswahl den Titel, damals standen Dzsenifer Marozsan, Alexandra Popp, Sara Däbritz und Leonie Maier auf dem Platz – Spielerinnen, die heute in der Nationalelf den Ton angeben. Am 1. September kämpfen sie in Island um das WM-Ticket – und gegen den Absturz. ANDREAS WERNER