München – Neulich hat der Deutsche Schützenbund eine Liste mit interessanten Zahlen zu seiner nationalen Meisterschaft verschickt. Er rechnet darin etwa vor, dass an den zwölf Wettkampftagen eine Viertelmillion Schüsse abgefeuert werden. Man findet in dem Dokument vieler solcher Zahlenspielereien. Auf eine Statistik ist der Verband aber besonders stolz: Knapp 6200 Starter sollen zur Olympiaschießanlage in Garching-Hochbrück pilgern, wo von heute bis zum 3. September die Deutschen Meisterschaften ausgeschossen werden – deutlich mehr als bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (ca. 2900).
Nun tun sich schnell zwei Blickwinkel auf: Die Kaderathleten verstehen das Treffen in München als finalen Test für die WM im südkoreanischen Changwon (31. August bis 15. September). Ein letzter Formcheck, dann geht’s weiter. Die vielen Hobbyschützen – alleine 2700 aus Bayern – stachelt die Anwesenheit der Elite an. Sie freuen sich, ihre Hallen zu verlassen, um sich auf der Olympiaanlage mit den Profis zu messen. Es sei eben „ein besonderer Reiz, dass Spitzen- und Breitensportler gemeinsam am Stand stehen“, sagt Gerhard Furnier, Vizepräsident Sport im DSB. „Damit kann der Vereinssportler die Möglichkeit wahrnehmen, einen Olympiasieger zu überbieten.“
Mehr als eine Möglichkeit ergibt sich daraus aber selten. In diesem Jahr dürfte die deutsche Spitze in besonders guter Form sein, denn bei der WM in Südkorea werden erstmals die wertvollen Quotenplätze für Olympia 2020 in Tokio verteilt. Für die deutschen Schützen geht es um viel: Fördergelder, Kaderplätze, kurz: die Sportkarriere.
Die Deutschen Meisterschaften in München umhüllt dagegen ein anderer Charakter. Furnier, der DSB-Vizepräsident, beschreibt sie als „Familientreffen von Schießsportlern, Betreuern, Trainern und Zubehörfirmenaus der gesamten Bundesrepublik“. Neben den vielen Disziplinen – insgesamt werden 89 Einzel-, 74 Mannschafts- und vier Mixed-Titel vergeben – sind Workshops und Vorträge vorgesehen.
Einen wird etwa Barbara Engleder halten, die Olympiasiegerin von Rio, die sich inzwischen vom Profisport zurückgezogen hat. Sie spricht über „Begeisterung für den Schießsport“, der eben auch mit Figuren wie ihr zusammenhängt. Es gehört nämlich auch zum Erfolgsgeheimnis der Deutschen Meisterschaften, dass die Spitzen- die Breitensportler anziehen. Die Starterzahlen in München beweisen das.