Sommer der Rationalität

von Redaktion

Die Bayern-Basketballer haben ihre Meistermannschaft frisiert – Rückkehr von Cunningham „eher unwahrscheinlich“

von christopher meltzer

München – Als die Double-Emotionen in seinem Münchner Büro verdampft sind, hat sich Marko Pesic die wichtigen Entscheidungen vorgenommen. Der Geschäftsführer des FC Bayern Basketball hat mit dem Trainer verhandelt, mit seinem Sportdirektor am Spielerkader getüftelt, und, was man gerne vergisst, auch die Mitarbeiter, die nicht zwei Meter groß sind, für eine Saison vorbereitet, die sich neben den üblichen Belastungen in Bundesliga und Pokal noch um 30 anstrengende Euroleague-Spiele erweitert, mindestens. Er hat sich dafür bewusst Zeit gelassen. „Um solche Sachen zu entscheiden, muss man rational denken.“

Am Mittwoch ist Pesic, 41, nach Italien aufgebrochen, um das Trainingslager seiner Profis am Gardasee zu besuchen. Die großen Entscheidungen sind natürlich schon gefallen. Die Bayern haben den Vertrag mit Meistertrainer Dejan Radonjic verlängert, weil „er ein sehr harter Arbeiter ist, der eine Spielidee hat“, wie Pesic sagt. In einer „komplexen Situation“ – die Bayern hatten mitten in der Saison den serbischen Trainer Aleksandr Djordjevic entlassen – habe er „schnell einen guten Überblick bekommen“, was der Geschäftsführer ihm hoch anrechnet. Pesic schätzt mit Blick auf die neue Spielzeit, dass Radonjic mit seinem alten Verein, Roter Stern Belgrad, schon Erfahrungen in dem anspruchsvollen Euroleague-Format gesammelt – und „mit kleinem Budget einen guten Job gemacht hat“.

So viel Geld wie die europäischen Spitzenclubs wird er auch in München nicht einplanen dürfen, es genügt aber, um dem Meisterkader – acht Stammspieler sind am Gardasee wieder dabei – zu frisieren. „Wir wollten das Gerüst der Mannschaft nicht verändern, das hat gut gepasst“, sagt Pesic, „aber wir wollten uns punktuell verbessern.“

Also haben Pesic, Radonjic und der italienische Sportdirektor Daniele Baiesi gesucht. Sie überzeugten etwa den finnischen Flügelspieler Petteri Koponen, ein „herausragender Spieler“, den Pesic gerne schon 2013 verpflichtet hätte, der ihnen nun „sehr entgegengekommen“ sei. Pesic sagt: „Er hat erkannt, welche Perspektive er in diesem Verein hat.“

Aus Bamberg schnappten sich die Bayern Center Leon Radosevic und Point Guard Maodo Lo, was gleich einen doppelten Vorteil hat: Sie verfügen neben dem deutschen Pass (in der Bundesliga dürfen nur sechs Ausländer im Kader stehen) auch über viele Euroleague-Minuten. „Als sie auf dem Markt waren“, so Pesic, „war das ein No-Brainer.“

Nur mit einem rechnet der Geschäftsführer nicht mehr: Jared Cunningham, der unter den Fans sehr beliebt war, weil er spektakulär durch die Luft flog, aber, wenn’s mal knapp war, auch den finalen Wurf genommen hat. Die Bayern stehen mit seinem Berater in Kontakt, eine Rückkehr hält Pesic aber für „eher unwahrscheinlich“. Cunningham, daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht, zieht es in seine Heimat, in die NBA.

Und dann gibt es noch Anton Gavel, den Kapitän der Meistermannschaft. Mit ihm spricht der Club, es gibt, so Pesic, aber „noch keine definitive Entscheidung“. Interessant aber ist: Der Bayern-Profi Milan Macvan hat auf einem Twitterfoto neulich seinen Spint in der umgestalteten Bayern-Kabine festgehalten. Auf dem Foto war auch ein anderer Spint zu sehen: mit der Nummer 25 und dem Namen Anton Gavel.

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