Tür zu, Schlüssel verschluckt

von Redaktion

Lewandowski bekennt sich zum FC Bayern – und spätestens 2020 soll Arp vom HSV kommen

VON ANDREAS WERNER

München – Noch vor einigen Tagen war es schwer, aus Robert Lewandowski schlau zu werden: Beim Mannschaftsabend des FC Bayern am Ende des Trainingslagers am Tegernsee suchte er auffallend wenig die Nähe zu den Kollegen, doch wenn es auf dem Platz um etwas ging, war von Isolation keine Spur: Beim 5:0 im Supercup über Frankfurt schoss er drei Tore, das mühsame 1:0 im Pokal bei Drochtersen-Assel besorgte er. Wie ging es in ihm vor, wie tief saß der Frust, nicht gehen zu dürfen? Nun machte der 30-Jährige mit allen Spekulationen Schluss: Er habe seine Auslandspläne abgehakt, sagte er der „Sport Bild“.

Das Bekenntnis zu München kommt gerade recht; anfangs der Woche hatte er die Szene aufgeschreckt, indem er mit dem berüchtigten Berater Pini Zahavi eine längerfristige Zusammenarbeit besiegelte. Der Israeli ist dafür bekannt, seine Mandanten sogar bei ausweglosen Situationen aus ihren Verträgen loszueisen und nach Wunsch europaweit an Schwergewichte zu transferieren. Doch dafür habe er ihn nicht eingestellt, erzählte Lewandowski nun: Ein Berater sei ja auch für andere Geschäfte neben Transferabwicklungen immer eine wichtige Figur.

Er sei im Frühjahr sauer gewesen, weil er im Verein keine Rückendeckung bekommen hatte, als die Kritik auf ihn eingeprasselt ist, sagte er, da wollte er weg: „Das war für mich der Punkt, an dem ich dachte: Wenn hier alle ein Problem mit mir haben und denken, dass ich nicht gut genug bin – warum soll ich dann noch länger hierbleiben?“

Seiner Darstellung nach ist es inzwischen anders. Die Tür sei zu und bleibe zu, hatten die Bosse immer wieder erklärt, jedes Mal, wenn es wieder hieß, Lewandowski hege Wechselgelüste. Die Sturheit beeindruckte ihn, behauptete er nun. „Ich habe gemerkt: Ich bin sehr wichtig für den Verein, Bayern lässt überhaupt nicht mit sich reden, steigt in keine Verhandlungen ein. Das zeigt die Größe und Stabilität des Vereins. Das war ein Punkt, wo ich mir dachte: Für diesen Verein will ich auch wieder alles geben.“ Er habe hier „noch drei Jahre Vertrag. Ich werde nie streiken, mich nie mit dem Verein anlegen. Ich verschwende nun keine Gedanken mehr an das Ausland. Ich bin mit dem Herzen wieder bei Bayern“, sagte er. Ab sofort gilt für beide Seiten: Tür zu. Abgesperrt und Schlüssel verschluckt obendrein quasi.

Nun scheint der Wunsch, dass der 30-Jährige doch wie zuvor schon die oft umworbenen Granden Franck Ribery und Arjen Robben in München sesshaft wird bis ans Ende seiner Stürmertage, aufzugehen. Die Münchner gewinnen damit Zeit, in Ruhe einen Ersatz zu suchen – was bei so einem Kaliber schwer wird, auch wenn der Spielraum drei Jahre beträgt. Angeblich soll spätestens 2020 Jann-Fiete Arp zum Rekordmeister stoßen. Der 18-Jährige hätte bereits in diesem Sommer einen Vertrag bekommen, heißt es, doch weil er sich nach der Unterschrift gerne noch einmal an den Hamburger SV verleihen lassen wollte, an der Säbener Straße aber Hoffenheim als Ort zum Spielpraxis sammeln vorgesehen war, blieb er nun doch beim HSV – trotz eines offerierten Jahressalärs von fünf Millionen Euro. Einer Vereinbarung gemäß aber ist sein Wechsel an die Isar nur aufgeschoben.

Bis Arp einmal das Format hat, als Erbe von Lewandowski überhaupt in Frage zu kommen, wird noch viel Wasser die Isar (oder die Elbe) hininuter fließen. Jetzt soll erst einmal Lewandowski selbst sein eigener Erbe sein. Uli Hoeneß meint, wenn er den Rucksack mit den Wechselgelüsten ablegt, werde er der beste Neuzugang, den Bayern je hatte. Vielleicht sogar besser als der Lewandowski, der 2014 kam und München nur als Durchgangsstation sah.

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