So ganz wohl ist den Bayern-Bossen in den letzten Tagen nicht gewesen, wenn es um Robert Lewandowski ging: Wie sehr rumort es ihm? Würde er sogar die Etikette brechen und in Streik treten, um den Club noch zu verlassen? Intern war klar: Man würde auch dann nicht nachgeben. Aber ums Betriebsklima wäre es dann endgültig geschehen gewesen. Nun hat der Stürmer-Star sein Schweigen gebrochen. Er sendet ein wichtiges Signal vor dem Saisonstart: Wegen ihm muss keinem unwohl sein.
Die Münchner haben in Niko Kovac einen neuen Trainer und generell einen Umbruch im Team einzuleiten – da ist es elementar, dass sich keine weiteren Großbaustellen auftun. Es gibt auch so genug zu tun. Dass sich Lewandowski im Frühjahr alleingelassen fühlte, ist nachvollziehbar. Als ihn keiner aus der Chefetage gegen die harsche Kritik an ihm schützte, verletzte das sein Ego, und jeder weiß: Stürmer-Egos sind gewaltig.
Damals wollte er weg, erzählte er nun, und so setzte eine teuflische Spirale ein, denn fortan sagten sich die Bosse: Warum einen schützen, den es wegzieht? Kurioserweise imponierte Lewandowski, so stellt er es zumindest nun dar, im weiteren Verlauf gerade die Sturheit des Clubs, ihn partout nicht ziehen lassen zu wollen.
Ob es nun eine heilsame Schock-Therapie war, von der sich die Münchner wünschen, sie würde europaweit Aufmerksamkeit erzeugen, oder einfach die Erkenntnis, dass jeder Widerstand zwecklos ist: Lewandowski muss sich nun an seinen Worten messen lassen, dass er keinen Gedanken mehr ans Ausland verschwende und in den nächsten drei Jahren alles für den FC Bayern geben werde. Er hoffe, sagte er, auf ein baldiges Gespräch mit den Bossen „unter Männern“.
Ein Vorschlag, den die Bayern annehmen sollten – trotz der Kritik des Polen, sie hätten ihn im Frühjahr im Regen stehen lassen. Denn unter Männern sollte Kritik erlaubt sein. Das gehört ja auch zur vielzitierten bayerischen Streitkultur im Club: Am Ende reicht man sich die Hand, schaut sich in die Augen – und dann sollte keinem mehr unwohl sein.