Berlin – Clement Jodoin ist der neue Cheftrainer der Eisbären Berlin, vorige Saison war er noch Assistent von Uwe Krupp, der nach Prag gewechselt ist. In der Liga sind EHC München und Nürnberg Ice Tigers Rivalen um die Meisterschaft, da will er ihnen nicht allzu viel gönnen. Doch in der Champions League ist das anders. „Wenn wir nicht gewinnen, dann wünsche ich München und Nürnberg, dass sie weit kommen“, sagt der freundliche Frankokanadier.
Er findet, dass Deutschland mehr zu bieten hat als seine Freunde in Nordamerika vermuten, die die DEL für zweitklassig halten. „Lasst uns das deutsche Eishockey auf Europas Landkarte setzen“, sagt er. Seine Spieler wird er explizit auffordern, „sich der Verantwortung für das Land bewusst zu sein“. Klare Ansage. „Aber hallo!“, sagt Florian Busch, einer von Jodoins Spielern bei den Eisbären, „der Trainer hat natürlich Recht“.
Berlin als Vizemeister, München, der Meister, und Halbfinalist Nürnberg vertreten die Deutsche Eishockey-Liga im Format Champions League mit 32 Teams aus 13 Nationen. Die Liga geht in die fünfte Saison, sie verzeichnet Wachstumszahlen – aber auf noch recht bescheidenem Niveau. Martin Baumann, der Schweizer CEO der Champions Hockey League, ist ein Verkäufer seines Produkts, will aber Transparenz walten lassen und die Schwächen nicht unterschlagen. Er hat Zahlen vorgelegt. In Deutschland betrug der Zuschauerschnitt bei CHL-Spielen 3620, ein Rückgang von einem Prozent gegenüber der Vorsaison (16/17). Die Statistiken im Einzelnen für 2017/18 waren: Mannheim 5829, München 2993, Wolfsburg 2311. „Luft nach oben“, räumt Baumann ein. Auch auf anderen Märkten ist die CHL kein Renner: Schweden, das bei drei von vier Austragungen den Europa-Champion stellte, kommt sogar auf nur 2648 Besucher pro Spiel.
Dennoch sieht Baumann nicht schwarz: Die Verträge mit Aktionären und TV-Anstalten (für Deutschland Sport1 und DAZN) sichern das Projekt bis zur Saison 2022/23 ab, bis dahin soll das Preisgeld von derzeit 1,94 Millionen auf 3,46 Millionen Euro steigen. In dieser Saison haben die Aktionäre erstmals 200 000 Euro Reisekostenzuschuss bereitgestellt. Und was den CHL-Managern auch Mut macht: An einer Befragung, wie die Liga sich verbessern könnte, haben sich 21 000 Fans beteiligt – „obwohl sie mehr als zwanzig Minuten dafür investieren mussten“.
Mit dem olympischen Silberglanz der Nationalmannschaft („Und da haben 25 DEL-Spieler gespielt, kein Legionär“, so der deutsche Ligenchef Gernot Tripcke) gehen München, Berlin und erstmals Nürnberg in die CHL-Saison, die in einer Woche beginnt. „Besser wird man nur durch guten Wettbewerb, die CHL zwingt uns als Trainer, dass wir nicht erst zum 14. September bereit sind, sondern Ende August“, sagt der Berliner Clement Jodoin. Bis jetzt ist noch keine deutsche Mannschaft weiter vorgedrungen als in die Top 16.
„Noch nicht mal der erfolgreichste DEL-Trainer aller zeiten, Don Jackson, hat die Champions League gewonnen“, merkt Kevin Gaudet, der neue Nürnberger Trainer, an. Halbrichtig. „2010 haben wir mit Berlin die European Trophy geholt, das Vorgängerformat“, erinnert sich Jackson an seine Eisbären-Zeit. Mit München trifft er nun auf Minsk, Turku, Malmö. Das ist auch für Kapitän Michael Wolf mit seinen 37 Jahren noch interessant: „Ich habe in noch keinem dieser Stadien gespielt.“