Eishockey

„Wir müssen unsere Liga gut verkaufen“

von Redaktion

DEL-Torjäger Patrick Reimer über Chancen in der Fußball-Schwächephase, den Roten Platz und Yasin Ehliz in der NHL

Mit Michael Wolf vom EHC München liefert sich Patrick Reimer, Allgäuer in Diensten der Nürnberg Ice Tigers, auch in der neuen Eishockey-Saison wieder ein Rennen um die Führung in der ewigen Torjägerliste der DEL. Der 35-Jährige zählte auch zum olympischen Silber-Team, erklärte danach aber seinen Rücktritt vom internationalen Eishockey. Aber er tauchte an anderer Stelle international auf in diesem Sommer.

-Patrick Reimer, danke dafür, dass Sie uns das coolste Bild des Sommers geliefert haben: Sie mit Mindelheim-Flagge auf dem Roten Platz in Moskau.

Eine gute Geschichte.

-Sie und Ihr Nürnberger Teamkollege Leo Pföderl sind mit dem Auto nach Russland zur Fußball-WM gereist. Ein irrsinniger Trip.

Mal was anderes. Wir hatten richtig Spaß, es war eine Riesenerfahrung – auch wenn das sportliche Ergebnis nicht so großartig war. Wir haben in keiner Sekunde bereut, das gemacht zu haben.

-Sie und Leo Pföderl sind Silbermedaillengewinner von Pyeongchang, als Eishockey in Deutschland das große Thema war. Wurdet ihr erkannt auf dem Roten Platz?

Nee, aber es war tatsächlich witzig. Ich stand mit einer großen Deutschland-Fahne da (auf ihr stand „Mindelheim“, d. Red,), und plötzlich kamen alle verschiedenen Nationen, um sich mit ihrer Flagge dazuzustellen und Fotos zu machen. Es war eine Superstimmung, sehr ausgelassen. Toll zu sehen, wie die Länder harmoniert haben.

-Sie hatten im Sommer in Moskau einen richtigen Playoff-Bart.

Ja, da war ich richtig zugewachsen, weil wir in Mindelheim alle drei Jahre unser Mittelalterfest haben, und da war ich Mitwirkender. Dementsprechend sah’s aus im Gesicht.

-Zurück nach Deutschland seid ihr aber nicht mit dem Auto gefahren?

Da sind wir dann doch geflogen. Wir waren nur beim Mexiko-Spiel und sind am nächsten Tag abgereist.

-Wo Sie den Niedergang des Fußballs miterlebt haben: Wird sich die Sportlandschaft in Deutschland zugunsten des Eishockeys verändern?

Fußball ist einfach zu stark. Aber ein Umdenken bei den Leuten bemerkt man angesichts der Summen, um die es im Fußball geht. Durch Olympia haben wir unsere Sportart super präsentieren können, doch jetzt ist es auch unsere Pflicht, dass wir das weiterführen, die Liga gut verkaufen und international den einen oder anderen Erfolg einfahren können. Mit unseren Mitteln. Ich spreche nicht von WM-Finale oder Sonstigem. Unsere Schritte müssen kontinuierlich sein, dann können wir die kleine Schwächephase des Fußballs ein bisschen nutzen.

-Erstaunt, wie heißt die NHL auf einmal auf deutsche Spieler ist?

Der Erfolg bei Olympia hat uns schon auf die Eishockey-Karte gebracht. Deutsche Spieler waren davor nie so im Fokus, jetzt bekommen zwei, drei Jungs die Möglichkeit. Es sind gute Jungs, die sich durchbeißen wollen und können. Sie sind Vorzeigeathleten für die Spieler zuhause. Sie zeigen, man kann es schaffen. Eine Riesengeschichte für uns.

-Sie selber sind wohl leider zehn Jahre zu alt.

Vielleicht hätte sich jetzt für mich die Möglichkeit ergeben. Ich bin aber auch so zufrieden mit meiner Karriere, wie sie verlaufen ist. Alles passiert zu seiner Zeit. Vor einigen Jahren war halt ein anderer Spielertyp gefragt als meiner, eher größer und nicht so schnell. Ich bereue nichts und trauere nichts hinterher. Ich freue mich für die, die jetzt die Chance bekommen.

-Einer wird Yasin Ehliz sein, Ihr Sturmpartner aus Nürnberg, er stammt aus Bad Tölz. Was kann er erreichen drüben?

Ich habe mit ihm gesprochen, er war im Rookie-Camp in Calgary, man hat ihm gesagt, es hätten alle dort die Chance, ins Team zu kommen. Ich weiß zwei Sachen: Dass Yasin sich komplett reinbeißen und topfit dort auflaufen wird. Geoff Ward ist Co-Trainer der Flames, er kennt ihn von der Nationalmannschaft – vielleicht auch noch mal ein kleiner Vorteil. Ich sehe die Chancen von Yasin gut.

-Aber der schöne Ice-Tigers-Sturm ist durch Ehliz’ Weggang auseinandergerissen worden

Wäre er ja sowieso, weil Steven Reinprecht mit jetzt doch 42 Jahren gesagt hat: Irgendwann ist’s gut. Wir hatten eine schöne Zeit, haben es genossen, miteinander zu spielen, und jetzt kann ich sagen, dass ich vielleicht einen kleinen Teil beigetragen habe, dass Yasin Ehliz in der NHL spielen wird.

-Haben Sie neue Partner schon gefunden?

Wir sind noch in der Findungsphase. Es sind viele neue Spieler dazugekommen, ein neuer Trainer. Wir haben gute Verpflichtungen gemacht. Ich bin sicher, es sind zwei neue gute Nebenleute für mich dabei.

-München hat John Mitchell verpflichtet, der eine Dreiviertel-Saison in Nürnberg spielte. Guter Mann?

Er wird eine Verstärkung sein. Weil München einige Top-Leute verloren hat, wird Mitch zeigen, dass er ein Spieler ist, der weiterhilft. München hat ihn nicht umsonst geholt.

-Sie und Ihr Bruder Jochen, der einige Zeit auch Torhüter beim EHC München war, sind seit einem Jahr wieder getrennt. Schade?

Ja, immer schade, ich habe es genossen, mit dem Jochen zu spielen. Bis letzte Saison war es ausgeglichen: die Hälfte der Karriere gemeinsam, die Hälfte gegeneinander gespielt. Wir wären gerne zusammen geblieben, aber leider funktioniert so was im Eishockey nicht immer, dass man es sich aussuchen kann. Jochen geht hoffentlich weiter einen erfolgreichen Weg mit Ingolstadt.

Das Interview führte Günter Klein

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