Misano – Der „beste Witz des Wochenendes“ ließ Alex Zanardi auch spät nachts noch breit grinsen. Der vermeintlich chancenlose Gaststarter war beim Nachtrennen der DTM in Misano mal eben auf Platz fünf gerast. Ohne viel Training, ohne Erfahrung im umgebauten BMW – und vor allem ohne seine Prothesen.
„Dieses Wochenende“ in der italienischen Heimat, sagte der beinamputierte Ausnahmeathlet, „werde ich für den Rest meines Lebens im Herzen tragen.“ Der 51-Jährige hatte seiner schier unglaublichen Sportler-Vita an der Adria soeben ein weiteres kleines Kapitel hinzugefügt, bei der Zieldurchfahrt sprach er selbst von „einem Witz“. Einem sehr guten allerdings.
„Als ich hier angetreten bin, wollte ich bloß niemandem im Weg stehen“, sagte er: „Und jetzt war ich plötzlich sogar schneller als ein paar andere.“ In dem Regen-Rennen profitierte er von der falschen Reifenstrategie zahlreicher Konkurrenten, brachte seinen BMW allerdings auch auf bemerkenswertes Tempo.
Dabei waren die beiden Rennen in Misano eine späte Premiere für den früheren Formel-1-Piloten, der 2001 bei einem Lauf der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring beide Beine verlor. Er saß danach zwar immer wieder in verschiedenen Rennautos, doch in Italien steuerte er den Boliden nun erstmals ohne seine Prothesen, Gas und Bremse waren am Lenkrad verbaut.
Er habe es geschafft, „den Unfall in eine Chance zu verwandeln“, sagte er zuletzt der Tageszeitung „Die Welt“. Nach dem fürchterlichen Chrash in der Lausitz fand Zanardi im Handbike eine neue Berufung – und gewann bei den Paralympics 2012 in London und 2016 in Rio je zweimal Gold.
Von Zanardi stammt auch der Satz: „Ich habe meine Beine verloren – aber nicht meinen Humor.“ sid