Abschied im Paradies

von Redaktion

Schweinsteiger sagt mit vielen Emotionen Servus vom FC Bayern: „Ich bin immer einer von Euch“

VON ANDREAS WERNER

München – Am Ende sangen die Fans in der ausverkauften Allianz Arena „Gute Freunde kann niemand trennen.“ Das alte Lied von Franz Beckenbauer geht ja immer, und es galt, Bastian Schweinsteiger zu verabschieden – mehr als einen Freund, sie nennen ihn den „Fußballgott“. Es gab Tränen, es gab Tore, 4:0 gewannen die Bayern gegen Chicago Fire. „Ich bin einer von Euch und werde immer einer von Euch sein“, sagte er nach der Partie mit glitzernden Augen, zu seinen Füßen bannten Laser „Servus Basti“ in den Rasen. Es passte alles.

Allein schon der Beginn war stimmungsvoll; die Spieler standen unten auf dem Rasen feinsäuberlich aufgereiht, doch wer durchzählte, bemerkte bei Chicago: Die sind nur zu zehnt! Man traut Amerikanern im Fußball ja viel zu, doch dass sie nicht wissen, wie viele man für einen Kick braucht? Aus den Stadionboxen dröhnten rockige Klänge, und plötzlich bahnte sich der vermisste Spieler seinen Weg von ganz oben durch die Ränge runter auf den Rasen. Bastian Schweinsteiger klatschte jeden Zuschauer auf seiner Reise zurück in die Vergangenheit ab, und als er endlich unten angekommen war, skandierten die Fans für ein paar Minuten in Endlosschleife: „Fußballgott!“

Schweinsteiger winkte, herzte seine Mitspieler, kniete sich für ein Foto vor ein Podium, das neben den beiden Teams aufgebaut war und alle seine Pokale präsentierte. Da funkelte Mords was in den roten Lasern, die durch die Arena zuckten – Schweinsteiger hat in 17 Jahren bei Bayern so gut wie alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Wer erst jetzt Zeit hatte, die rockigen Klänge zu identifizieren, weil bis dato die Reizüberflutung zu groß war, erkannte nun Guns N’ Roses: „Paradise City“. Basti is back, stand dank einer Choreographie auf den Rängen zu lesen: Zurück in München. Zurück im Stadion des FC Bayern. Zurück in seinem persönlichen Paradies.

Das Spiel war an diesem Abend Nebensache, dennoch wurde es ein munterer Kick – freilich einer, bei dem schnell ersichtlich war, dass es um das Niveau in der amerikanischen Profiliga nicht besonders bestellt ist. Bereits nach drei Minuten hätte Sandro Wagner fast das 1:0 besorgt, er traf den Pfosten. Kurz darauf holte Serge Gnabry die Führung nach. Schweinsteiger, der als Sechser begonnen hatte, orientierte sich nach hinten, er gab den Innenverteidiger, damit sein Abschied keine Blamage werden würde. Wagners 2:0 konnte er nach 38 Minuten aber auch nicht verhindern, der Stürmer nickte eine hübsche Flanke von Wooyeong Jeong ein. Der 18-Jährige war erst wenige Augenblicke gekommen, und hier hatte der Abend eine betrübliche Note; Leon Goretzka hatte für Jeong Platz gemacht, und das nicht freiwillig. Der Neuzugang nahm den gleichen Laufweg wie am Freitag Kingsley Coman, einziger Unterschied: Er musste nicht gestützt werden. Gut sah es dennoch nicht aus.

In der zweiten Hälfte wechselte Schweinsteiger in die Münchner Mannschaft über, und als Hommage trugen alle seine Kollegen, auch die Torsteher, seine Nummer 31. Ziel des Spiels wurde in der Folge, dem Mann des Abends die Kugel so zu servieren, dass er zu einem Torerfolg kommt. Arjen Robben schoss zwar das 3:0 lieber selbst (63.), doch sogar der eigensinnige Niederländer gab einmal zum 34-Jährigen ab, woraufhin der dankbar auf die Knie sank, ehe er weiterdribbelte.

Schweinsteiger versuchte alles, im Stadion kreiste die „La Ola“, und acht Minuten vor dem Ende schoss er dann auch noch sein Tor. Da ließen ihn die Kollegen hochleben – dem Himmel so nah, so soll es sein, im Paradies. Servus!

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