Florian Mayer beendet Tennis-Karriere

Der Anti-Profi

von Redaktion

In New York geschah am Montag Bemerkenswertes. Die US Open, das letzte Grand Slam-Turnier des Tennisjahres, war noch keine 90 Minuten alt, da war Simona Halep, die Nummer 1 der Frauen, ausgeschieden. Der hochbegabte (aber noch immer unvollendete) Grigor Dimitrov wurde vom Altmeister Stan Wawrinka entzaubert, der Deutsche Mischa Zverev gab eine Zweisatzführung aus der Hand, und auch sonst war reichlich Spektakel geboten. Und auf Platz 7 endete eine Karriere.

Auch auf den letzten Metern hat man Florian Mayer leicht übersehen können. Das wird ihm aber herzlich egal gewesen sein, denn so richtig geheuer war ihm die große Bühne nie. Schon dass er im April ankündigte, sein letztes Match ausgerechnet bei den US Open zu bestreiten, war eine kuriose Pointe. Sicher, das Turnier ist weltweit eines der bedeutendsten, das Preisgeld selbst bei einem Erstrunden-Aus enorm. Aber wohlgefühlt hat sich Mayer in den USA, dem Land der Lauten, der ständigen Superlative und der tiefgekühlten Luft, nie.

Mit dem Bayreuther, der seit vielen Jahren in Oberhaching trainiert, verliert die Szene einen der leisesten, aber auch der ungewöhnlichsten Profis. In einem Milieu, in dem sich die meisten mit Scheuklappen bewegen, auf maximalen Erfolg und größtmögliche Aufmerksamkeit fixiert, ist er immer seine eigenen Wege gegangen. Dass ihn die zuweilen über die staubigen Nebenpfade der zweitklassigen Challengertour führten, nahm er in Kauf. Sein Talent, mit geschickter Turnierplanung den Ranglistenplatz zu optimieren, war in der Branche berühmt.

Dass ihm die Egozentrik, die für andere völlig normal ist, fremd war, hat ihn manchem Kollegen suspekt erscheinen lassen. Dabei war er einfach bloß authentisch und angenehm skeptisch gegenüber einem Umfeld, an dem man tatsächlich nicht alles mögen muss. Mayer war ein Anti-Profi, aber einer im besten Sinne. Fast folgerichtig sind seine Erfolge nie so richtig gewürdigt worden. Zwei Wimbledon-Viertelfinals, zwei ATP-Titel, ein Platz unter den Top 20 – das haben in den vergangenen Jahren nicht viele deutsche Tennisspieler vorweisen können.

Nun ist er Privatier, und in Erinnerung bleiben wird er für zweierlei. Die totale Extravaganz in seinem Spiel, das mehr auf Anarchie, Tempowechsel und unterschnittene Vorhandschläge vertraute als auf Brachialgewalt. Und die eingesprungene, beidhändige Rückhand, am besten als Stoppball. Wenn man so will, war dieser Mayer eine echte Show. Aber dazu musste man schon sehr genau hinsehen.

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