Der „Welli“ hat seinen „Buschi“ wieder

von Redaktion

Die Eisbären Berlin freuen sich über die Rückkehr des Oberbayern Florian Busch, der um seine Gesundung gekämpft hat

VON GÜNTER KLEIN

Berlin – Vergangene Woche wurde der Pokal, den es in der am Freitag startenden Champions Hockey League zu gewinnen gibt, in Berlin präsentiert, jeder der drei deutschen qualifizierten Clubs war angehalten, mit Management, Trainer und einem Spieler zu erscheinen, die Eisbären nominierten Florian Busch. Das war ein gutes Zeichen. Es besagt: Sie rechnen mit dem Tegernseer, der 2002 als 17-Jähriger zu ihnen gekommen und all die Jahre geblieben ist. Er ist nun 33, im Eishockey ist das noch nicht alt – doch vor allem: Florian Busch ist gesund. „Er hat jedes Training voll mitgemacht, er ist eine großartige Ergänzung für unser Team“, sagt Clement Jodoin, der vom Assistenz- zum Cheftrainer aufgestiegene Frankokanadier. Er klopft aufs Holz eines rustikalen Tisches im Restaurant „Pirates“, wo einst die Mauer verlief, als Berlin noch geteilt war.

Die tückischste Eishockey-Blessur

Vergangene Saison hat Florian Busch die zweite Hälfte, die in der Sieben-Spiele-Finalserie gegen den EHC München gipfelte, verpasst. Die Folgen einer Gehirnerschütterung, nicht der ersten seiner Karriere, ließen es nicht zu, ihn einzusetzen. Es ist die tückischste der Eishockey-Verletzungen, lange unterschätzt; sie hat schon viele Karrieren beendet. Florian Busch versuche es noch einmal, hieß es vor einigen Monaten, er sei bei einem neuen Spezialisten. „Bei mehreren Spezialisten“, korrigiert er. „Die Berufsgenossenschaft hat mir sehr geholfen, ich war in einem BG-Krankenhaus in Hamburg.“ Er sagt, er sei im Training noch ein bisschen hinterher, er merke, dass er länger nicht gespielt habe. Und: „Vergesslich bin ich geworden. Aber ich glaube, das ist das Alter.“ Busch kann über sich scherzen.

Sie mögen ihn in der Branche mit seiner unkomplizierten oberbayerischen Art. In Berlin bei der CHL-Veranstaltung traf er seinen ehemaligen Trainer bei den Eisbären, Don Jackson (seit vier Jahren in München); sofort wird er freundlichst mit „Hey Buschi“ begrüßt. Umgehend verwickelt er seinen Ex-Coach in ein Gespräch über diverse Biersorten und wie man sie trinkt. Unter Jackson hatte er eine grandiose Zeit: fünf Deutsche Meistertitel, Busch gehörte zu den besten Stürmern im Land.

„Buschi“ sagt auch Jodoin zu ihm. Jodoin ist 66, er hat viel NHL-Erfahrung (Montreal Canadiens), die Anschutz-Gruppe, der die Eisbären gehören, hat ihn vergangene Saison als Assistenten von Uwe Krupp in Berlin installiert. Vielleicht auch ein wenig als Aufpasser, sicher aber als ausgleichendes Element. Krupp war manchmal schwer nahbar, wenn er in seiner Konzentration versank, er gilt als streng und fordernd. Jodoin war der „good guy“. Er hat diese Haltung in seiner neuen Position bewahrt. Busch beschreibt seinen Chef als „freundlich, witzig – aber es kann schon auch einen Anschiss geben“. Pünktlichkeit sei Jodoin wichtig, da möge man ihn nicht mit Verspätung reizen.

Florian Buschs erste richtige Spielpraxis nach der langen Verletzungspause wird der Auftakt in der Champions League sein. Die Eisbären haben in ihrer Gruppe Kometa Brno (Brünn/Tschechien), den EV Zug (Schweiz) und Neman Grodno (Weißrussland). Zwei der drei Heimspiele werden die Berliner nicht in ihrer modernen DEL-Spielstätte, der Arena am Ostbahnhof, bestreiten, sondern im kleineren, aber an Tradition reichen Wellblechpalast im Sportforum Hohenschönhausen, genannt „Welli“. „Es wird nach Bratwurst und Bier riechen und laut sein“, kündigt Florian Busch an, „und da wir dort ja auch täglich trainieren. Perfektes Heimspiel.“

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