Hamburg – Lance Stroll kann charmant plaudern. Aber wenn der Teenie zu seinem steinreichen Vater befragt wird, verfinstert sich seine Miene meist. Dann zieht Stroll seine buschigen Augenbrauen zusammen und presst knurrige Antworten heraus. „Ich habe mir diesen Weg nicht erkauft“, sagt Stroll dann über seine Karriere in der Formel 1. Stimmt. Es war sein Papa.
Das Vermögen von Lawrence Stroll wird von Forbes auf etwa 2,7 Milliarden Dollar geschätzt, mit etlichen Millionen sicherte der Unternehmer seinem Sohn bereits den Einstieg beim Traditionsteam Williams. Nun kaufte Vater Stroll ein ganzes Team: Eine Investorengruppe mit dem Kanadier an der Spitze übernahm Force India und rettete den Rennstall vor der Insolvenz.
Es gilt als offenes Geheimnis im Fahrerlager, dass der neue Boss bald seinen Sohn ans Lenkrad lässt. Die Frage ist nur, wann? Vielleicht sogar schon am kommenden Wochenende in Monza?
„Eine Veränderung würde die Zustimmung vieler Seiten bedingen, aber unmöglich ist das nicht“, sagte Teamchef Otmar Szafnauer. Für Lance Stroll wäre ein Wechsel ein Schritt nach vorne – Force India ist in diesem Jahr erneut schneller unterwegs als Williams. „Wir werden sehen, was mein Vater entscheidet. Er ist ein netter Typ, hoffentlich nimmt er mich“, sagt er.
Sogenannte Paydriver, also Piloten, die für ihr Cockpit bezahlen, gab es in der Formel 1 schon immer. Selbst Legenden wie Niki Lauda oder Michael Schumacher mussten in Vorkasse gehen. Doch der Fall Stroll treibt es auf die Spitze – und macht das Dilemma der Formel 1 deutlich.
Das System-Stroll stößt zunehmend auf Kritik. Spötter behaupten, die Formel 1 verkomme zu einer Luxus-Mietwagenfirma. „Geld kann kein Talent kaufen“, sagt Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve über seinen Landsmann. Aber es kann den Weg in die Formel 1 ebnen. sid