Manchester – Jose Mourinho hat mit einem weiteren Arroganzanfall seinen Kritikern neue Nahrung gegeben. Nach dem 0:3 von Manchester United gegen Tottenham Hotspur verlor der impulsive Portugiese mal wieder die Nerven und hinterließ viele ratlose Gesichter. Zuvor war der Teammanager der Red Devils auf seine Taktik für die Partie angesprochen worden und hatte darauf bereits ungehalten reagiert: „Ihr erwartet ein Wunder von meinen Jungs. Was wollt ihr mit euren Schuldzuweisungen auf der Pressekonferenz bezwecken?“
Dann wütete er in typischer Mourinho-Manier weiter. „Was war das Ergebnis?“, fragte er in Richtung eines Journalisten und hob dabei drei Finger: „3:0 – und wofür steht das noch? Drei Meistertitel in der Premier League, die ich gewonnen habe – mehr als die anderen 19 Trainer zusammen. Drei für mich und zwei für die anderen.“ Dabei stand er auf und verließ wutschnaubend den Raum mit den Worten: „Respekt, Respekt, Respekt!“
Nach dieser bühnenreifen Vorstellung im Theater der Träume, wo der Rekordmeister im dritten Spiel seine zweite Ligapleite kassierte hatte, weht Mourinho ungeachtet seiner Verdienste in der Vergangenheit ein scharfer Wind ins Gesicht.
Direkt nach dem Abpfiff war er von den gegnerischen Fans verhöhnt worden. „Du bist nicht mehr besonders“, schallte es aus dem Gästeblock in Old Trafford in Richtung des 55-Jährigen, der sich selbst auf der Insel „The Special One“ getauft hatte. Mourinho baute sich nach der Pleite vor den verbliebenen eigenen Fans auf und applaudiete mit leerem Blick eine Minute lang. „Ich denke, es ist nicht normal, zu Hause zu verlieren und doch so eine Unterstützung zu bekommen“, sagte Mourinho, der nicht mehr unumstritten bei seinem Arbeitgeber ist.
„Jose Mourinho und Ed Woodward unter Druck“, titelten die Manchester Evening News angesichts des schlechtesten Saisonstarts von ManUnited seit 26 Jahren und nahmen damit auch Clubboss Woodward in die Verantwortung, der wegen der Transferpolitik in diesem Sommer seit Wochen mit seinem Coach im Clinch liegt.
United-Ikone Gary Neville spricht von der „größten Herausforderung“ für Mourinho. Vor allem die Vorstellung in der zweiten Hälfte fand der frühere Mannschaftskapitän und heutige TV-Experte besorgniserregend: „Das war viel zu wenig. Ich verstehe die Taktik nicht.“ Die schlechten Leistungen in der Vorsaison sowie das kolportierte schlechte Verhältnis zu seinen Stars Paul Pogba und Anthony Martial könnte Mourinho den Job kosten. Der frühere Real-Coach Zinedine Zidane und Ex-Chelsea-Teammanager Antonio Conte werden bereits als Nachfolger beim Stadtrivalen von Meister Manchester City gehandelt, der in der gesamten vergangenen Saison zwei Niederlagen kassierte. Das hat Mourinho jetzt bereits nach drei Spieltagen geschafft.