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von Redaktion

12 Uhr mittags in München: Löw und Bierhoff sprechen – und es wird richtig spannend

Von Günter Klein

München – Der Kader für die nächsten beiden Länderspiele wird bekannt gegeben, und auch wenn das erste von beiden einen neuen Wettbewerb einleitet, die von der UEFA geschaffene Nations League – die Liste mit den Namen der auserwählten Spieler würde im Normalfall per E-Mail an die Redaktionen im Lande verschickt. Allerdings ist es nicht der Normalfall, dass hinter dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Weltmeisterschaft liegt, die mit dem dritten Vorrundenspiel abrupt zu Ende gegangen ist. Daher – und nach sehr langem Warten – muss die Analyse des Scheiterns nun (Mittwoch, 12 Uhr) der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dazu gibt es dann das Aufgebot für das Nations-League-Spiel (Donnerstag, 6. September) in München gegen Frankreich und das Freundschaftsmatch gegen Peru (Sonntag, 9. September, in Sinsheim). Der Blick nach vorne, der Aufbruch – so ist es dramaturgisch geplant.

Heute nun also eine Pressekonferenz, die immense Beachtung erfahren wird. 12 Uhr ist Mittagspausenzeit in Deutschland, man wird den Fernseher einschalten, in der Arbeit Livestreams aufrufen, in den Kantinen die Liveticker der Internet-Plattformen laufen lassen.

Schon der Schauplatz der Veranstaltung ist ungewöhnlich: Anders als bei Verbandsangelegenheiten üblich hat der DFB nicht in seine Zentrale nach Frankfurt geladen. sondern lässt Löw und den Bereichsleiter Nationalmannschaf, Oliver Bierhoff, in München antreten. Und nicht bei einem Mercedes-Händler (der Werbevertrag mit dem Automobilpartner läuft zum 31. Dezember aus, gut aufeinander zu sprechen ist man nicht mehr) oder im Hilton Am Tucherpark, wo das DFB-Team nächste Woche wohnen wird, sondern im Pressesaal der Allianz Arena. Der ist noch vom Schweinsteiger-Abschiedsspiel am Abend zuvor aufgeschlossen, doch eben vor allem sehr groß, und er signalisiert: Hier geht es um Sport.

Es wird spannend: Wird Joachim Löw lächelnd das Podium betreten, wird er Leuten im Auditorium lustig zuzwinkern, wird ihm Espresso gereicht (vor dem Hintergrund, dass neulich im „Spiegel“ stand, er würde um des Effekts willen auch mal an der leeren Tasse nippen)? Oder wird er ernst und sachlich sein und gar nichts trinken?

Wie lange wird geredet und diskutiert werden? Zuletzt hat sich bei Nationalmannschafts-Pressekonferenzen der mahnende Ton des Moderators eingeschlichen, es sei doch schon eine halbe Stunde vergangen, man befinde sich „bereits in der Nachspielzeit. Die letzten drei Fragen an den Bundestrainer.“ Kann sich der DFB diese Abfertigungs-Mentalität noch leisten? Wird es ein langer Nachmittag, an dessen Ende alle Fragen beantwortet sein werden?

Seien wir da mal nicht zu optimistisch. Zur Sicherheit legen wir die Fragen hier vor. An den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel hätten wir ja auch etliche – doch angekündigt sind nur Joachim Löw und Oliver Bierhoff. Also.

Unsere Fragen an Joachim Löw

Warum haben Sie all die Leistungs-Warnsignale in den Testspielen seit November 2018 ignoriert?

Warum haben Sie bei der Bekanntgabe des endgültigen WM-Kaders im Trainingslager keine Nachfragen zugelassen?

Haben Sie mit der Festlegung auf Manuel Neuer als Nummer-eins-Torwart ohne Leistungsnachweis das falsche Signal an die Spieler aus der Confed-Cup-Generation ausgesandt?

Würden Sie mit dem Kenntnisstand von heute den WM-Kader anders zusammenstellen?

Kamen in Südtirol Zweifel auf am guten Gelingen des WM-Turniers?

Haben Sie in Russland Aufstellungsfehler begangen?

Was war die Intention, die hinter Ihren Strand-Fotos von Sotschi stand?

Bei Ihren Spielern stellten Sie Selbstherrlichkeit fest. Galt das auch für Sie selbst?

Warum dauert es Wochen, bis eine Analyse der WM erstellt wurde? Die Daten lagen doch alle längst vor.

Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, Sie seien (auch für DFB-Mitarbeiter) schwer erreichbar und nicht mehr nahbar?

Werden Sie fleißiger werden, mehr internationale Spiele besuchen?

Werden Sie auch Nachwuchsleistungszentren Ihre Aufwartung machen? Bei Bundesligisten beim Training vorbeischauen?

Haben Sie zu lange an Urs Siegenthaler als Chefscout festgehalten, wo doch in der Mannschaft längst Zweifel an dessen Wahrnehmungen aufgekommen waren?

Haben Ihre bisherigen Co-Trainer zu wenig an Persönlichkeit, um Ihnen auch kontrovers zu begegnen?

Haben Sie Entwicklungen im Fußball verpasst?

Warum haben Sie geschwiegen, als die Tonlage gegen Mesut Özil rassistisch wurde?

Teilen Sie die Meinung, die Uli Hoeneß über Mesut Özil („Spielt seit Jahren einen Dreck“) geäußert hat?

Werden Sie von Ihrem Ideal, dass Fußball schön sein müsse, abrücken und mehr Zweckmäßigkeit und Resultat in den Vordergrund stellen? Stichwort „Gras fressen“.

In Russland sagte man nach dem 0:1 gegen Mexiko, nun stehe man vor zwei K.o.-Spielen. Sind die Begegnungen mit Frankreich und Peru die nächsten beiden K.o.-Spiele?

Unsere Fragen an Oliver Bierhoff

Hätten Sie in der Erdogan-Affäre früher und anders handeln müssen?

War es nicht arrogant, das WM-Turnier „vom Ende her zu denken“, wie es im DFB-Journal stand?

Wer war letztendlich verantwortlich für die missglückte Wahl des Quartiers in Watutinki?

Wird der Claim „Die Mannschaft“ abgeschafft – und wann?

Werden Sie eine Fankultur abseits des Kommerzangebots „Fanclub Nationalmannschaft powered by Coca Cola“ zulassen?

Ist der Comedian Oliver Pocher, der Jerome Boateng mittels des rassismusnahen Blackfacings veräppelt, ein geeigneter Kapitän des Fanclub-Teams?

Sind Eintrittspreise bis zu 100 Euro bei Länderspielen noch haltbar?

Wird es bei den familienunfreundlichen Anstoßzeiten bleiben?

Braucht man bei Länderspielen Eröffnungsfeiern?

Öffentliche Trainingseinheiten der Nationalmannschaft hielten Sie wegen des Aufwands für nicht machbar, der Präsident wünscht sie aber. Wie bekommen Sie das organisatorisch hin?

Hat Ihre Zuwendung zu den Aufgaben bei der Nationalmannschaft unter Ihren erweiterten Aufgaben beim DFB gelitten?

Finden Sie im DFB-Präsidium einen sportlich kompetenten Ansprechpartner?

Wäre Ihnen Philipp Lahm im DFB-Präsidium willkommen?

Wann rechnen Sie damit, dass veränderte Ausbildungskonzepte Früchte tragen und derzeitige Manko-Positionen wie Außenverteidiger, Stoßstürmer besser besetzt werden können und es auch wieder Eins-gegen-eins-taugliche Spieler geben wird?

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