AUSLOSUNG CHAMPIONS LEAGUE

von Redaktion

VON ANDREAS WERNER

München – Franck Ribery lächelte schief, als er den Abschied von Bastian Schweinsteiger am Dienstagabend Revue passieren ließ. Großartig sei das alles gewesen, fand der Franzose in Diensten des FC Bayern, sein Ex-Kollege habe sich das verdient. Zwischendurch habe er sich während der Partie dabei ertappt, Gedanken ans eigene Karriere-Ende nachzugehen. „Bei mir ist es auch bald soweit, oder“, sagte er schelmisch grinsend. Umso wichtiger ist es für den 34-Jährigen, noch einmal große Titel zu gewinnen. Heute Abend wird die Gruppenphase der neuen Champions League-Saison ausgelost. Klassische Frage: Hat Ribery Lieblingsgegner? Klassische Antwort: „Ach – als FC Bayern ist es egal, wer kommt.“

Auf diese Gelassenheit haben die Münchner deutschlandweit ein Monopol. Und das ist für die Bundesliga ein Problem, das immer größer wird. In der Abschlusstabelle der Nationenwertung landete die höchste deutsche Spielklasse am Ende der letzten Saison auf Platz sechs – hinter Russland, nur knapp vor Österreich. „Wir verlieren seit Jahren an Terrain“, sagt Karl-Heinz Rummenigge, „im UEFA-Ranking waren wir vor ein paar Jahren Zweiter, lediglich die Spanier lagen immer vor uns. Inzwischen haben uns nicht nur die Engländer, sondern auch die Italiener überholt.“ Zwar beträgt die Differenz zu den Verfolgern aus Frankreich, Russland und Portugal noch einiges. „Aber wir müssen ein bisschen aufpassen“, warnte Bayerns Vorstandschef. Denn der Trend ist alarmierend.

Die Clubs im Windschatten des FC Bayern, der mit seinen Vorstößen bis ins Halbfinale der Königsklasse einen stattlichen Beitrag geleistet hat, dass die Spirale nicht noch bedenklicher kreiselt, sind gefordert – doch es besteht wenig Grund, optimistisch nach vorne zu schauen. Mit ihrer Kaufkraft ist die Bundesliga Mittelklasse geworden, und so gibt beispielsweise Hoffenheims Manager Alexander Rosen offen zu, dass er beim Blick auf die Top-Kader der internationalen Konkurrenz kaum sagen könne: „Die hauen wir weg.“ Sein Club wartet heute Abend in Topf vier auf seine Gegner – schwere Kaliber drohen. Leichter haben es Dortmund in Topf zwei und Schalke in Topf drei. Die Bayern sind unter den besten acht Teams gesetzt, sie entgehen damit den Krachern Real Madrid, FC Barcelona, Manchester City, Juventus Turin und Paris St. Germain. Doch auch die Münchner könnten knifflige Paarungen erwarten. Eine Gruppe mit Manchester United, Olympique Lyon und Inter Mailand wäre möglich. In Topf zwei schlummert zudem der SSC Neapel mit dem früheren Bayern-Coach Carlo Ancelotti oder das Hochgeschwindigkeits-Team Tottenham Hotspur um Harry Kane.

Bayern könne es nicht alleine stemmen, die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga zu bestätigen, sagte Rummenigge, „das muss man als Ganzes leisten. Die Bundesliga ist ein gutes Produkt, aber es ist entscheidend, wie wir uns international präsentieren.“ Dortmunds neuer Trainer Lucien Favre pflichtet dem Bayern-Chef bei: „Es ist wichtig, dass nicht nur der FC Bayern eine tragende Rolle spielt.“

Warnsignale und Absichtserklärungen sind die Begleiter für die deutschen Clubs in die neue Champions League-Saison. Doch die Wahrheit ist, dass das Abschneiden der Bundesliga in der Königsklasse und der Europa League zuletzt so alarmierend war, dass es der Konkurrenz nur ein schiefes Lächeln entlockte.

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