Das Problem mit der Gleichzahl

von Redaktion

München – Joachim Löw hat einiges an Zahlenmaterial zur WM in Russland vorgelegt (siehe auch Seite 3 dieser Ausgabe), Daten, die ihm schnell vorlagen, was eigentlich nicht rechtfertigt, dass er fast zwei Monate braucht für die Erstellung einer Analyse. Er wollte, so sagt er es, aber erst noch abwarten, „bis die WM zu Ende ist, damit wir sehen, welche Trends sich daraus ergeben“ und auch seine wichtigsten Spieler abtelefonieren, „um Informationen zu sammeln“.

Knapp 23 Minuten sprach er in München dann vor den Medien, es war nicht die längste Rede seiner Amtszeit. Bei der ersten Pressekonferenz nach der EM 2012 hatte sein Monolog noch vier Minuten länger gedauert, es war damals eine flammende Rede, in der er seine Mannschaft gegen Vorwürfe von außen (zu viel Luxus und – Standard, immer wieder zu hören – die Nationalhymne wird nicht von allen mitgesungen) verteidigte. Diesmal kam er um Kritik an den Spielern nicht herum – bezog sich aber mit ein: „Wir sind alle weit unter unseren Möglichkeiten geblieben und haben zurecht die Quittung bekommen.“ Namentlich stellte er aber niemanden an den Pranger.

Seine sportliche Erklärung für das Abschneiden, „das mir noch immer jeden Morgen wie ein Kloß im Magen liegt“ (so Oliver Bierhoff): Dass man nicht die nötigen Rahmenbedingungen geschafft hatte, um den Spielstil durchzusetzen.

Löw räumt ein: Er hat sich blenden lassen, „dass wir fünf, sechs Jahre fast alle Tore über Kombinationen erzielt haben“. Das Problem, das sich bei dieser Art des Fußballs stellt: „Wenn acht, neun Gegenspieler hinten drin stehen, müssen wir eine Gleichzahl herstellen. Wir können nicht mit sechs Angreifern gegen zehn Verteidiger spielen.“ Darum müsste die eigene Abwehrreihe aufrücken. Risiko. Denn bei Fehlern gerät man „im Mittelfeld und hinten aus der Gleichzahl.“ Und schon ist’s passiert.  gük

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