Eine routinierte Achse – und drei Neue

von Redaktion

So sieht der erste Kader nach der WM aus – Perspektivgespräch mit Leroy Sané

München – Am Samstag war Joachim Löw zu Besuch in Düsseldorf. Fortuna, der Aufsteiger, gegen den FC Augsburg, ein Team der unteren Mittelklasse. Was hat der Bundestrainer denn da verloren? Ist normal nicht sein nächster Weg – also schaut er dort jemanden gezielt an. Vermutung: Philipp Max, den stark offensiv ausgerichteten linken Verteidiger des FC Augsburg. Im Vorjahr erfolgreichster Vorlagengeber in der Bundesliga. Und ja schon in DFB-Kreisen bekannt als Olympiaspieler von 2016.

Schon vor der WM war Löw explizit nach Max gefragt worden, das war vor dem Spiel gegen Spanien im März in Düsseldorf. Er sagte: „Kein Thema für die WM.“ Und wer nun gedacht hätte, dass Max eine Personalie sein würde, die die Neuausrichtung der Nationalmannschaft symbolisiert, muss sich getäuscht sehen. Der Augsburger fehlt auch im Kader für die Spiele gegen Frankreich und Peru. Löw hat einen anderen Linksverteidiger nominiert – und den hatte er am Freitagabend bei FC Bayern – Hoffenheim beobachtet: Nico Schulz. Der fiel auf durch sein Foul an Kingsley Coman – allerdings auch durch seine eigene Bestürzung über die Folgen, die sein Einsteigen beim Gegner hervorrief, und durch seine umgehende Entschuldigung. Nico Schulz ist 25, stammt aus der Berliner Hertha-Jugend und hat schon in Mönchengladbach gespielt, wo er sich nicht hat durchsetzen können. Nun wird er wohl der bereits neunte Nationalspieler, den die TSG Hoffenheim hevorbringt.

Der einzige Neue ist er nicht in Löws Kader. Mit dem gerade für 37 Millionen Euro zu Paris St. Germain gewechselten Schalker Thilo Kehrer hat Löw sich einen Abwehr-Allrounder geholt, der ebenfalls am besten auf der linken Seite ist – aber wirkungsvoller in einer Dreier- als in der Viererkette. Kehrer ist 21, gebürtiger Schwabe, frisurenauffällig und hat bereits zwei komplette Profijahre in der Bundesliga hinter sich.

Kai Havertz hat von den neun berufenen Spielern die bisher beeindruckendste Karriere gemacht. Bundesligadebüt mit 17 (Trainer damals noch: Roger Schmidt), mit 19 ist er Stammkraft bei Bayer Leverkusen. Position: offensives Mittelfeld. Es wird jetzt auch darum gehen, den – spielerisch gesehen – neuen Mesut Özil zu finden, und der gebürtige Aachener Havertz, als DFB-Nachwuchsspieler hochdekoriert, ist einer der langfristigen Kandidaten.

Dass er gleich durchstartet in der Nationalmannschaft, wird von ihm nicht erwartet. Löw sagt klar, dass er weiter auf seine arrivierten Leute setzt: „Wir brauchen eine Achse, wir brauchen routinierte Spieler. Dazu junge hungrige Leute.“

Auch Leroy Sané ist wieder dabei. Zur WM hatte Löw ihn nicht mitgenommen, ihm missfielen die Trainingsleistungen des Sonderbegabten. Doch bereits in dem Gespräch, das er mit ihm anlässlich der Nichtnominierung für die WM führte, will Löw zu ihm gesagt haben: „Deine Zeit muss nach der WM beginnen. Du kannst ein wichtiger Spieler werden.“

Sami Khedira ist es nicht mehr. Er ist nicht zurückgetreten, doch Löw will Raum schaffen im Kader, um eine neue Orientierung zu ermöglichen. Günter Klein

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