Wer dieses Jahr eingeschult wird – so kann man einem schönen Vergleich entnehmen – kennt keinen anderen Deutschen Fußball-Meister als den FC Bayern. Ende des 20. Jahrhunderts hieß es, wer demnächst in die Abiturprüfung gehe, habe immer nur Helmut Kohl als Bundeskanzler erlebt (gut, und die Angela-Merkel-Ära entwickelt nun auch ihre Längen). Die erstaunlichste Dominanz findet auf dem Posten des Bundestrainers statt. Man stelle sich vor, Joachim Löw erfüllt seinen Vertrag bis 2022 (oder genauer gesagt: Man lässt ihn den Vertrag erfüllen) – dann wird er vier Legislaturperioden aneinander gereiht haben. Und noch eine halbe (2004 bis 06), die er als Co-Trainer (sozusagen Kanzleramtsminister) abgeleistet hat. Verantwortlicher Leiter einer Nationalmannschaft ist eigentlich nur ein Job für vier Jahre. Entweder war man dann so supergut, dass es keine Steigerungsmöglichkeit mehr gibt, dann tritt man mangels Motivation ab. Oder es tritt der Fall ein, dass man zum Opfer wird, weil eine starke Sehnsucht nach einem Neuanfang besteht. Jogi Löw hat selbst einmal die kluge Feststellung getroffen, „dass es nach einer WM mit 32 Nationen am Ende 31 enttäusche Trainer gibt“. Und den glücklichen 32., der Adieu sagt.
Joachim Löw hat alle überrascht, als er 2014 weitermachte. Es war eine Entscheidung, die man als angenehm empfand (man hatte sich aneinander gewöhnt, man schätzte seine angenehme Art: menschlich, unprätentiös) und auch als interessant: Ja, warum sollte nicht mal einer den Versuch unternehmen, einen Titel zu verteidigen?
Man hat gesehen: Auch Löw scheitert an so etwas; vielleicht gibt es den Supertrainer gar nicht, der so etwas vollbringen kann. Fest steht: Joachim Löw ist es nicht. Das Scheitern war eine Folge vieler handwerklicher Fehler, die er in Russland und ja schon im letzten Jahr der Vorbereitung darauf begangen hat.
Was er jetzt versucht, wird – diesen Eindruck hat seine Analyse des WM-Desasters, vorgetragen in München, hinterlassen – nicht funktionieren. Löw will einfach nur die vergangenen Monate ungeschehen machen, die Uhr zurückzudrehen auf November 2017 und mit leichten Korrekturen (weniger Ballbesitzfixiertheit) weiter wie bisher agieren. Es sind Anpassungen, keine Änderungen. Basierend auf der irrigen Annahme, man habe immer noch mit die besten Spieler. Eine ehrliche WM-Analyse würde die Augen öffnen: Genau das ist nicht mehr der Fall.