München – Der Abend war lang, Bastian Schweinsteiger hatte nach seinem Abschiedsspiel die ehemaligen Kollegen vom FC Bayern noch in die Loge zu einem gemeinsamen Mitternachtsessen geladen. Aber Trainer Niko Kovac nahm darauf am nächsten Tag keine Rücksicht. Bereits gestern Vormittag begann für die Münchner die Vorbereitung auf das zweite Bundesliga-Spiel der Saison am Samstag beim VfB Stuttgart.
Nicht dabei war neben dem frisch operierten Kingsley Coman auch Leon Goretzka. Der Neuzugang aus Schalke hatte am Abend zuvor im Duell mit Schweinsteigers Club Chicago Fire bereits in der ersten Hälfte ausgewechselt werden müssen. „Ich bin weggeknickt“, sagte der 23-Jährige später und wusste nach der ersten Untersuchung von Mannschaftsarzt Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bereits: „Es ist halb so wild.“ Goretzka erlitt eine Gelenkverrenkung im rechten Fuß und absolvierte deshalb gestern nur ein dosiertes Training im Leistungszentrum. Dagegen konnten Niklas Süle und Javier Martinez mitmachen. Beide hatten am Abend zuvor „wegen leichter Infekte“ gefehlt, wie es auf der Homepage der Bayern hieß.
Ebenfalls dabei war gestern Vormittag noch Juan Bernat. Es war seine Abschiedsvorstellung. Der 25-jährige Spanier, der gegen Chicago eine Halbzeit lang spielen durfte, wechselt nach „Bild“-Informationen für 15 Millionen Euro Ablöse zu Paris St. Germain, wo er einen Vertrag bis 2021 erhalten soll. Der französische Meister war auf der Suche nach einem Linksverteidiger, weil zum einen Layvin Kurzawa derzeit wegen Rückenbeschwerden ausfällt. Zum anderen stand Trainer Thomas Tuchel bisher auf dieser Defensivposition neben Kurzawa nur Stanley N’Soki, ein noch nicht sehr erfahrener 19-Jähriger, zur Verfügung.
Noch am Montag hatte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, verkündet, dass bei Bernat noch keine Entscheidung gefallen sei. Der Spieler befinde sich „noch in der Überlegungsphase“, sagte der Vereinschef.
Bernat war 2014 unter Trainer Pep Guardiola vom FC Valencia nach München gekommen. Er hat 113 Pflichtspiele für den Rekordmeister absolviert und vier deutsche Meistertitel vier 2016 den DFB-Pokal mit dem FC Bayern gewonnen.
Der Spanier spielt somit bald bei dem Verein, zu dem auch Jerome Boateng gerne wechseln würde – oder besser: zu dem er in diesem Sommer gerne gewechselt wäre. Denn zwei Tage vor Ende der Transferfrist gehen die Bayern nun davon aus, dass sich ein Abschied des Innenverteidigers zumindest bis zur Winterpause erledigt hat. „Nach meinem Gefühl von heute Abend bleibt er beim FC Bayern“, sagte Präsident Uli Hoeneß nach dem Abschiedsspiel von Schweinsteiger. es