München – Kurioserweise ist gestern im Falle des FC Bayern gar nicht gelost worden. Jedes Mal, wenn den Münchnern ein neuer Gegner aus einem neuen Lostopf zugeteilt wurde, hatten die vorherigen Ziehungen oder die Regularien der UEFA schon jegliche Alternativen eliminiert. Anzuzweifeln ist das Resultat dabei nicht – und Bayern würde auch einen Teufel tun, ein Veto einzulegen. Man hat eine Retro-Gruppe erwischt: Benfica Lissabon und Ajax Amsterdam sind gute alte Bekannte auf internationaler Bühne, dazu ist AEK Athen keine Gefahr. Vertraute Namen in der Fußball-Europa – und Clubs, die trotz ihrer Größe von einst heute nur noch kleine Schatten werfen. Das Los ist eines der dankbarsten der letzten Jahre zum Start in die Champions League – obwohl es ja gar kein echtes Los war.
Die Zusammenstellung der Gruppe E weckt Erinnerungen in schwarz-weiß. Benfica gewann den Pokal der Landesmeister zwei Mal, das letzte Mal 1962. Bei Amsterdam bejubelte man vier Mal den Triumph, doch auch hier sind seit dem letzten Konfettiregen 23 Jahre vergangen. Athen ist noch nie in solche Sphären vorgestoßen; AEKs Ausbeute auf internationalem Parkett beträgt eine Null. Gegen griechische Teams ist Bayern noch nie ausgeschieden.
Doch nicht nur Treffen aus der schwarz-weißen Vergangenheit liefern bei der Gruppe Gesprächsstoff. Für Renato Sanches, bisher bei den Bayern glücklos, wird es ein Wiedersehen mit seinem Heimatverein; vor zwei Jahren holten die Münchner den 21-Jährigen für 35 Millionen Euro aus Lissabon. Bei Amsterdam hat Erik ten Hag das Sagen. Der 48-Jährige coachte die zweite Mannschaft des FC Bayern in den Jahren 2013 bis 2015. Er führte sie zur Meisterschaft in der Regionalliga, bloß durch ein äußerst unglückliches Tor in der Nachspielzeit (der damalige Torwart Lukas Raeder unterlief einen Ball) verpasste er den Aufstieg in die Dritte Liga. Nach zwei Jahren in Utrecht übernahm er im Winter des letzten Jahres Ajax. „Eine interessante Gruppe mit großen Traditionsclubs“, urteilte Niko Kovac, „sportlich bin ich sehr zufrieden. Wir sind Favorit, müssen aber in allen Spielen 100 Prozent Leistung abrufen.“ Sportchef Hasan Salihamidzic meinte, er sei „zuversichtlich, dass wir die Gruppenphase als Erster beenden können“. Edwin van der Sar, Geschäftsführer von Amsterdam, streckte schon exemplarisch für alle drei Münchner Kontrahenten die Waffen: „Bayern ist Favorit – wir kämpfen um Platz zwei.“
Auch Dortmund (Atletico Madrid, Monaco, Brügge), Schalke (Lokomotive Moskau, Porto, Galatasaray Istanbul) und sogar Hoffenheim in Lostopf 4 (Manchester City, Donezk, Lyon) erwischten machbare Kontrahenten. Der BVB kann sich in Madrid schon mal das Stadion anschauen, in dem am 1. Juni das Finale stattfindet; Atletico ist heuer Ausrichter. In Gelsenkirchen freut man sich auf ein Wiedersehen mit Benedikt Höwedes, der seit dem Sommer in Moskau kickt. Interessant werden die Partien zwischen ManCity und Hofgenheim – Julian Nagelsmann hat Pep Guardiola zu dessen Zeit in München immer ganz gut zugesetzt. Während auch der Titelverteidiger Real Madrid mit AS Rom, ZSKA Moskau und Pilsen eine simple Aufgabenstellung bekommen hat, ist abseits der deutschen Gruppen das Quartett unter dem Buchstaben C das interessanteste. Paris St. Germain mit Thomas Tuchel bekommt es hier mit dem SSC Neapel zu tun, wo der ehemalige Bayern-Coach Carlo Ancelotti das Kommando führt. Der Italiener verlor im letzten Herbst nach einer Niederlage in Paris seinen Job in München. Zusätzliche Brisanz verleiht der Gruppe der FC Liverpool mit Jürgen Klopp.