Besonders findige Menschen fühlten sich am späten Mittwoch an den Silvesterabend erinnert. Auch dort gibt es ein Ritual, ohne das der Jahreswechsel nicht denkbar wäre. Die Champions League-Qualifikation, so die These, ist das „Dinner for one“ des europäischen Vereinsfußballs. Miss Sophie nippt am Glas. Der Butler stolpert über den Tiger. Und RB Salzburg verpasst die Gruppenphase.
Es hat schon schlimmere Abende gegeben für den österreichischen Meister. Wenigstens ereilte ihn sein ewiges Schicksal diesmal gegen Roter Stern Belgrad, eine Mannschaft mit klangvollem Namen, nicht wieder gegen einen Vertreter der Fußballprovinz wie F91 Düdelingen. Aber das macht es auch nicht tröstlicher. Im Gegenteil, wer so nah dran ist wie die Salzburger am Mittwoch und dann in nicht mal zwei Minuten alles verspielt, dem muss niemand mehr etwas über den Schmerz des Scheiterns erzählen.
RB Salzburg ist in Deutschland schon lange ein beliebtes Spottobjekt, nicht immer zu Unrecht. Das Marketingkonstrukt des Brauseclubs muss einem nicht sympathisch sein, das Hin- und Herschieben von Spielern innerhalb der Konzernfamilie ebenso wenig. Aber Fakt ist auch, dass in Mozarts Geburtsstadt kompetente Menschen arbeiten, die schon einigen Hochbegabten auf dem Weg zu einer großen Karriere behilflich waren. Und wozu die Salzburger Bullen in ihren besten Momenten fähig sind, muste vor einigen Monaten erst Borussia Dortmund leidvoll erfahren.
Letztlich wäre es weder vermessen noch unverdient, wenn es mit RB und der Champions League endlich mal klappen würde. Ein bisschen Auffrischung würde der Gruppenphase auch ganz gut tun. Die schmissige Hymne und die bunten Bilder, die in rasanter Schnittfolge nun wieder ein Spektakel ankündigen, können schon lange nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass die Königsklasse in den ersten Monaten eine ziemlich fade Angelegenheit ist. Wenn nicht gerade Real und PSG im Achtelfinale aufeinander prallen, wird es erst Anfang April mit der Runde der besten Acht ernsthaft interessant. Bis dahin ist die Champions League wie „Dinner for One“. Nur dass kein Großer stolpert.