Es gibt immer noch viele gute Momente im Tennisleben des Roger Federer und vereinzelt auch grandiose. Am Samstag gelang ihm bei den US Open ein Schlag, der selbst einem Profi seiner Klasse nur alle Jubeljahre glückt. Gegen den Australier Nick Kyrgios wurde er weit aus dem Feld getrieben, erwischte den Ball gerade noch und spielte ihn am Netzpfosten vorbei im Tiefflug ins Feld des Australiers. Ein Kunststück, mal wieder.
Kyrgios ist einer, der das Talent besitzt, in besonderen Momenten auch einem Federer gefährlich zu werden. Eher eigentlich als sein deutlich unbekannterer Landsmann John Millmann, der der US Open-Kampagne des Schweizers nun ein jähes Ende setzte. Die Leistungsdichte im Herrentennis ist enorm, an einem guten Tag kann auch ein vermeintlicher Hinterbänkler einen Coup landen. An Ausnahmespielern wie Rafael Nadal aber oder eben Federer schien dieser Trend spurlos vorüber zu gehen.
Mit seinem eleganten Spiel und der ganzen Erscheinung hat der Meister immer noch etwas Zeitloses, auch wenn selbst er sich mit den Tücken des Alterns plagt, den Fältchen oder den Geheimratsecken. 37 ist er mittlerweile, aber sogar jetzt, in einem für Tennisspieler biblischen Alter, greifen die gängigen Muster nicht. An den meisten Tagen kann er mit den meisten Spielern nicht nur mithalten. Viele dominiert er noch immer nach Belieben.
Federer ist längst über den Punkt hinaus, an dem Niederlagen wie diese noch ein Drama wären. Er redet sie nicht klein, macht sie aber auch nicht größer, als sie sind. Sie passieren ihm inzwischen halt ein bisschen häufiger als früher. Aber wenn es je einen Spitzenspieler gelang, in Würde und auf höchstem sportlichem Niveau zu altern, dann ist es Federer.
Die Frage, wie lange er noch die Tour bereisen wird, ist deshalb beinahe Nebensache. Selbst in schwierigen Jahren hat er sich nie von Misserfolgen zu kurzsichtigen Entscheidungen treiben lassen. Seine Ankündigungen waren immer ehrlich und zuverlässig, weshalb auch jetzt kein Zweifel daran bestehen dürfte, dass er Wort hält und noch ein Jährchen dranhängt. Vielleicht wird es dann nichts mehr werden mit einem 21. Grand Slam Titel. Auszuschließen ist er aber auch nicht.