FC Bayern

Die erste Pointe der Saison

von Redaktion

von marc beyer

München – Der Satz „Wenn die Bayern schwächeln, wollen wir da sein“ ist griffig und auf den ersten Blick auch gar nicht so unoriginell. Aber das täuscht. Gibt man ihn bei Google ein, taucht er in unzähligen Versionen auf. Horst Heldt hat ihn 2013 so formuliert, Rudi Völler ein Jahr später. Vor ein paar Monaten war Hans-Joachim Watzke dran, und als die neue Bundesligasaison vor drei Wochen startete, meldete sich Christian Heidel, Heldts Nachfolger als Schalker Manager, mit fast identischen Worten. Einzige Abweichung: „Jetzt müssen wir alle da sein, wenn die Bayern mal schwächeln.“

Völler stärkt Herrlich schon den Rücken

Wir, damit sind Watzkes Dortmunder gemeint, aber auch die Schalker und Hoffenheimer, Völlers Leverkusener und vielleicht sogar ein Überraschungsteam wie der VfB Stuttgart, der Zweite der jüngsten Rückrundentabelle. Bis auf den BVB sind das exakt die Teams, gegen die der ewige Meister aus München an den ersten vier Spieltagen antreten muss. In der Branche ist dieses Auftaktprogramm als ungewöhnlich anspruchsvoll eingestuft worden, aber das war vor dem ersten Anstoß. Nach zwei Runden ist der Eindruck schon wieder ein völlig anderer. Das Schwächeln hat zwar tatsächlich eingesetzt. Aus Sicht der Freunde eines gesunden Konkurrenzkampfes aber bei den Falschen.

32 Spieltage vor Schluss hat die Saison ihre erste Pointe. Die Bayern haben es sich wieder auf ihrem Stammplatz an der Spitze bequem gemacht, als habe ihnen der Spielplangestalter lauter Kellerkinder zugeteilt. In gewisser Weise stimmt das sogar. Drei der vier Auftaktgegner – Stuttgart, Leverkusen und Schalke – stehen noch bei null Punkten.

Während in München beste Stimmung herrscht und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge aufgrund der Spielweise und des angenehmen Betriebsklimas bereits den Beweis erbracht sieht, „dass wir mit Niko den richtigen Trainer hierher geholt haben“, wächst an den anderen Standorten das Unbehagen. In Stuttgart grassiert die Furcht vor einer Wiederholung der ewigen Geschichte, in der auf eine fulminante Rückrunde ein ebenso fulminanter Absturz folgt. In Schalke will Trainer Domenico Tedesco „nichts schönreden“, orientiert sich aber weiterhin an Platz zwei der vergangenen Saison und klingt fast schon beschwörend: „Wir werden die Form wiederbekommen – zu 100 Prozent.“ Und in Leverkusen sieht sich Rudi Völler genötigt, Trainer Heiko Herrlich den Rücken zu stärken, auch wenn er das Thema als „absoluten Schwachsinn“ empfindet: „Das ist eine Hysterie, die nicht zu ertragen ist.“

Für die Leverkusener ist die Situation besonders sensibel. Nach den Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Wolfsburg sind sie am Wochenende ausgerechnet bei den Bayern zu Besuch. Man könnte diese Konstellation einerseits zwar als willkommene Chance sehen, mit einem einzigen Sieg für Ruhe zu sorgen und dem Branchenführer wieder nahe zu rücken. Andererseits bieten die Geschichtsbücher gerade Bayer wenig Anlass zur Hoffnung. Von den vergangenen 27 München-Reisen endete nur eine mit einem Leverkusener Sieg (2:1 im Oktober 2012). Wenn die erfolgsverwöhnten Bayern so etwas wie einen Lieblings-Heimgegner haben, dann ist es die Werkself.

Für Spannung sind momentan eher andere Teams zuständig. Wolfsburger und Berliner zum Beispiel, die zwei weiteren Mannschaften mit sechs Punkten. Allerdings treffen die morgen direkt aufeinander, mindestens einer wird also Federn lassen. Natürlich auch die Dortmunder. Die stecken zwar noch mitten in der Runderneuerung, machen aber einen vielversprechenden Eindruck. Vielleicht ist sogar den Gladbachern etwas zuzutrauen, eine der wenigen Mannschaften, die richtig gerne gegen die Bayern antreten (zumindest zuhause).

Erst mal empfängt die Borussia morgen aber Schalke 04, den schwächelnden Vizemeister. Der hat ein Erfolgserlebnis bitter nötig, eine Woche vor dem Besuch der Bayern. Wenn sie nicht aufpassen, sind die Schalker, für Stimmungen jeder Tendenz traditionell empfänglich, schon nach vier Runden schwer zerfleddert. „Fakt ist: Nach zwei Spieltagen kann man kein Resümee ziehen“, sagt Domenico Tedesco zurecht. Hätte er nach dem direkten Duell schon zwölf Punkte Rückstand auf den Rekordmeister, wäre das trotzdem eine schwere Hypothek.

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