Das deutsche Eishockey will eine richtige Mediensportart werden. Das kann gelingen, und es ist nachgerade ein Glück, dass sich doch noch so vieles im Verborgenen abspielt. Eigentlich war ja der letzte Eindruck die Weltmeisterschaft im Mai in Dänemark, bei der die Nationalmannschaft schon früh im Turnierverlauf die Viertelfinal-Perspektive verlor. Aber einer alten Tradition folgend, waren kaum Berichterstatter vor Ort, und so hat die Öffentlichkeit nicht mitbekommen, dass die WM ein Misserfolg war. Jedoch erinnert sie sich sehr wohl an den Februar und die Olympischen Spiele und die Silbermedaille und auch noch daran, dass das Finale um die Deutsche Meisterschaft richtig packend war und sich bis in ein siebtes Spiel hineinzog.
2018/19 ist also nicht die Saison nach einer schwachen WM, sondern die nach einem glorreichen Olympia-Auftritt. Daraus kann man was machen, Tatsächlich sind der Deutschen Eishockey-Liga einige Sponsoren aus einer für sie bislang nicht erreichbaren Güteklasse zugelaufen, die Vereine haben zum Trainingsauftakt die Tore der Eishallen geöffnet und imposante Zuschauerzahlen verbuchen können, und das Ligabüro in Neuss erscheint gewillt, im lange brachliegenden Social-Media-Bereich endlich anzugreifen. Man muss jetzt alle Kanäle bespielen, um die Chance nicht verstreichen zu lassen, die sich durch Olympia-Silber eröffnet.
Die Schattenseite ist, dass der DEL einige ihrer besten Spieler durch den Erfolg von Pyeongchang abhanden gekommen sind. Bei Dominik Kahun war der Schritt in die NHL überfällig, bei den vier anderen Spielern (Ehliz, Noebels, Macek sowie Kammerer, der erst ein paar Länderspiele hat) erfolgt er überraschend. Der Zweifel, ob sie sich in der besten Liga der Welt durchsetzen werden, begleitet sie. Der DEL fehlen sie – und anders als in Schweden und Finnland hat man nicht den nächsten hochbegabten 17-Jährigen, um ihn upzugraden. Ersatz haben sich die von den Abgängen in die NHL betroffenen Clubs auf dem internationalen Markt geholt, selbst München, vorige Saison mit sechs Ausländern gestartet, hat jetzt schon neun Lizenzen vergeben und wird seine deutschen Talente in die 3. Liga schicken. Auch wenn jetzt mehr Leute Eishockey toll finden: Die Probleme haben sich nicht aufgelöst.