München – Der Kader war schon gut besetzt, da stockte der EHC München noch auf. Mit Matt Stajan, 34, der direkt aus der NHL kommt, von den Calgary Flames. Der Mittelstürmer hat 1003 Punktspiele in der NHL und 17 Partien in den Playoffs bestritten. Einen solch prominenten Background hat niemand sonst im Team.
-Matt Stajan, was führt jemanden wie Sie in die Deutsche Eishockey-Liga?
Es ist etwas, worüber meine Frau und ich immer nachgedacht haben für die Zeit, wenn die NHL für mich Vergangenheit ist. Wir haben geschaut, welche Möglichkeiten es gibt, welche Ligen, haben viele Anrufe getätigt. Wir denken, dass ich mich am besten in die DEL einfügen könnte, die schon viele nordamerikanische Spieler hat. München hat eines der Top-Teams, die Stadt hat was zu bieten – also sind wir aufgesprungen.
-Zwei Münchner Spieler, Dominik Kahun und Brooks Macek, sind im Sommer den umgekehrten Weg gegangen, von der DEL in die NHL.
Das habe ich gehört. Aber ich kann nicht sagen, dass ich sie bewusst hätte spielen sehen, vielleicht am Rande bei den Olympia-Übertragungen. Es ist schwer, hinüberzugehen. Die Eisfläche ist kleiner, alles geschieht in einem rasenden Tempo, man braucht Zeit, sich einzufinden– für sie ist es eine Anpassung wie umgekehrt für mich.
-Die Spiele der Champions Hockey League haben Sie noch nicht mitgemacht, Ihr erstes Spiel wird der DEL-Auftakt inn Berlin sein. Haben Sie überhaupt schon einen Eindruck vom deutschen Eishockey gewinnen können?
Es ist gutes Hockey. Jeder kann skaten, im Training sieht man das Tempo. Ich muss mich eben anpassen, die Eisfläche ist größer, der Stil ein anderer. Es wird ein Lernprozess sein, aber das ist aufregend.
-Wir haben in ihren Daten nachgesehen: Überraschenderweise haben Sie nie bei einer WM gespielt. Dabei erreichten die Calgary Flames, Ihr Stammteam, selten die Playoffs, sie hätten also meistens Zeit gehabt, für Kanada aufzulaufen im Mai.
Einmal hatte ich eine Einladung, aber wir sind nicht zusammengekommen. Und danach stellten sie um, wollten vor allem junge Spieler haben, und vielleicht sollte es so sein: Wenn man einmal absagt, ergibt sich keine zweite Chance. So war ich nur mal bei einer Junioren-Weltmeisterschaft (2003, d. Red.), , aber die fand in Kanada statt, auf der kleinen Eisfläche.
-Wie schafft man es, über 1000 NHL-Spiele zu machen?
Du musst dich anpassen können. Es kann nicht jeder der Torjäger sein. im Powerplay spielen und den Ruhm abschöpfen. Wenn du älter wirst, musst du deine Rolle im Team finden und das Beste daraus machen. Die letzten vier, fünf Jahre meiner Karriere war ich Center der vierten Reihe. Ich war damit einverstanden und habe diese Rolle sozusagen umarmt. So muss man es handhaben, denn in dieser Liga gibt es jede Saison gewaltige Veränderungen, sie wird vor allem jünger und jünger. Ich habe in meiner Laubahn ja alle Erfahrungen gemacht: erster, zweiter, dritter, vierter Sturm. Weil ich alles angenommen habe, konnte ich mich so lange in der besten Liga der Welt halten.
-Ihr 1000. Regular-season-Spiel haben Sie noch geschafft vergangene Saison. Wie war das?
Ein stolzer Moment, wenn man sieht, wie wenige das geschafft haben. Meine Familie und Freunde waren da, die Teamkollegen haben eine kleine Feier organisiert. Man will es festhalten wie den Hochzeitstag, bevor er vorüber ist.. Es war allerdings nicht nur ein süßer, sondern auch bitterer Moment, weil es das Spiel war, mit dem wir definitiv aus dem Rennen um die Playoff-Plätze eliminiert wurden.
-Von Ihnen wird wohl erwartet in München, dass Sie eine Führungsrolle übernehmen.
Es gibt Jungs, die schon sehr lange hier sind. Ich komme erst einmal ruhig rein und suche meinen Platz.
-Ihrer ist neben dem Ur-Bayern Kony Abeltshauser.
Kony spricht perfekt Englisch, er ist ein großartiger Typ. Man muss einfach man selbst sein, soll nichts erzwingen. Es wird sich alles fügen, so habe ich das immer erlebt. Meine Rolle in den vergangenen Jahren in Nordamerika war auf dem Eis eine sehr defensive, ich würde mich freuen, wenn ich in Deutschland ein bisschen offensiver spielen könnte.
-Es ist wohl auch ein Sprung vom Saddle Dome, dem Monumentalbau in Calgary, in die kleine Olympia-Eishalle am Oberwiesenfeld.
Erinnert mich an den Saddle Dome, denn er ist die älteste Halle der NHL. Die Halle hier ist auch sehr alt. Viel Charakter und Geschichte in beiden Hallen.
-Im amerikanischen Profisport werden die Gehälter der Spieler veröffentlicht. Jeder konnte lesen, dass Sie zuletzt 2,5 Millionen Dollar verdient haben. In Deutschland sind Gehälter geheim.
Das spielt keine Rolle, so ist es einfach, das kann ich nicht beeinflussen. Die NHL handhabt das so seit den 80er-Jahren, da wächst man rein. In der NHL sind alle Informationen zugänglich, aber das schafft zusätzlichen Druck. Ich werde das System dort und hier nicht umstoßen.
-Sie können für uns das Gehalts-Geheimnis enthüllen.
(lacht) Ich bin nicht hier, um tonnenweise Geld zu machen, sondern um das Spiel zu spielen, das ich liebe.
-Während des letzten Lockouts in der NHL spielten mit Blake Wheeler und Paul Stastny zwei Stars von drüben in München. Stastny sagte uns mal, München habe es auch wegen des guten Konzertkalenders ausgewählt; Florence and the Machine zum Beispiel wollte er unbedingt erleben. Was hat Familie Stajan außerhalb der Halle vor?
Wir mögen, wie die Leute in Europa leben. Die Mutter meiner Frau wurde in Polen geboren, meine Großeltern stammen aus Slowenien, also haben wir Europa im Blut. Wenn Leute hier Urlaub machen, ist München sicher eine der herausragenden Städte, die sie besuchen wollen.
Das Interview führte Günter Klein